Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Munition? Welche Munition?

Bei der sächsischen Polizei verschwanden Patronen, ohne dass es aufgefallen ist

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.
Kann schnell mal verloren gehen: Munition
Kann schnell mal verloren gehen: Munition

Unter den mehr als 50 000 Schuss Munition, die im vergangenen Jahr im Rahmen einer Durchsuchung bei einem ehemaligen SEK-Beamten im Zuge der Ermittlungen gegen die rechtsradikale Gruppe »Nordkreuz« gefunden wurde, waren auch 102 Patronen der sächsischen Polizei. Wie genau die in den Besitz des mittlerweile unter anderem wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Sprengstoffgesetz Verurteilten gelangt war, ist noch nicht aufgeklärt.

Wie der MDR Sachsen nun berichtet, war es der sächsischen Polizei bis zum Fund der Munition gar nicht aufgefallen, dass sie verschwunden war. Dies habe das sächsische Innenministerium auf Anfrage des Senders bestätigt, hieß es in einem Bericht vom Dienstagabend. »Die Aufhellung der Umstände, wie die Patronen in den Besitz des Beschuldigten gelangten, ist Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens«, schreibt das Ministerium. Dieses beruhe auf einer »Anzeige durch das Polizeiverwaltungsamt gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Diebstahls bzw. der Unterschlagung.«

Die sächsische Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Linke) erklärte dazu gegenüber »nd«: »Bei der Bundeswehr ist es normal, dass über den Verbleib von Munition genau Buch geführt wird. Das hält das sächsische Innenministerium bei der Polizei offenbar für überflüssig.« Dort merke man nicht einmal, wenn mehr als 100 Schuss verschwinden. Also werde auch der mögliche Verbleib nicht untersucht.

»Dass die gestohlenen Patronen dann bei einer Struktur der extremen Rechten wie ›Nordkreuz‹ auftauchen, kann nicht überraschen«, so Köditz. Schließlich erfolgten die Meldungen »über entsprechende Verwicklungen von Polizeibeamten in immer schnellerer Folge«. Niemand könne ernsthaft davon ausgehen, »dass es das ausgerechnet in Sachsen nicht gibt«, sagt die Politikerin. »Die fehlende Kontrolle ist mehr als eine Unterlassungssünde, sie verleitet geradezu zum Diebstahl«, ist sie sich sicher. Köditz weiter: »Seit Jahren wird uns versprochen, dass die extreme Rechte entwaffnet wird. Stattdessen verfügt sie über immer mehr Waffen.«

Die Abgeordnete erwartet von Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), dass er endlich »ein wirksames Konzept zur Entwaffnung der Szene vorlegt«. Zudem sei eine wissenschaftliche Studie überfällig, die rassistische und extrem rechte Einstellungen in der sächsischen Polizei untersuche. Das fordere auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter. »Nur wenn wir das Ausmaß eines Problems kennen, können wir es wirkungsvoll bekämpfen«, betont Köditz.

Die in Mecklenburg-Vorpommern aufgetauchte Munition ist dabei laut MDR bei weitem nicht der erste Verlustfall bei der sächsischen Polizei. 2016 hatte demnach ein Leipziger Polizist im Einsatz eine Maschinenpistole mit dazugehöriger Munition verloren. Letztere wurde gefunden und abgegeben, die Waffe hingegen sei bis dato nicht wieder aufgetaucht.

Zwischen 2010 bis 2018 seien im Freistaat etwa 300 Patronen verloren gegangen, zudem eine Leuchtpatrone sowie neben der Maschinenpistole zwei weitere Pistolen, so der MDR unter Berufung auf das Innenministerium in Dresden. Doch längst nicht nur in Sachsen hat ein Problem mit verschollenen Waffen. Laut einem Bericht der »Welt« von Anfang Februar sind bei den Polizeibehörden der Bundesländer in den letzten zehn Jahren insgesamt 35 Dienstwaffen spurlos verschwunden. Bei Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Zollverwaltung würden zwölf Dienstpistolen vermisst, bei der Bundeswehr 58.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln