Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Ab auf die Straße

Die deutschen Radfahrerinnen sehen ihre WM-Bahnmedaillen als gutes Omen für Olympia

Die Bahnrad-WM in Berlin endete mit einem großen Erfolg für den Bund Deutscher Radfahrer. Mit vier Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen schnitten die deutschen Bahnradlerinnen so erfolgreich wie lange nicht ab.

Lisa Brennauer war auch nach der Siegerehrung noch ganz aufgekratzt: »Es ist der blanke Wahnsinn, dass ich bei dieser Heim-Weltmeisterschaft gleich zweimal auf dem Siegerpodest stehen durfte.« Den Bahnradvierer hatten die deutschen Frauen von einem schweren Güterzug zu einem Express umgewandelt.

Die Bronzemedaille erwies sich nicht als Zufallstreffer, wie sich am Sonnabend bei der 3000-m-Einzelverfolgung herausstellte. Zwar schnappte die US-Amerikanerin Chloe Dygert den Weltmeistertitel mit der Weltrekordzeit von 3:16,937 Minuten weg. Doch dahinter reihten sich mit Lisa Brennauer (31), Franziska Brauße (24) und Lisa Klein (23) gleich drei deutsche Fahrerinnen ein.

Dabei hatten Lisa Brennauer aus Kempten und die Öschelbronnerin Franziska Brauße den alten deutschen Rekord schon in der Qualifikation pulverisiert. Am Ende drückte ihn Brennauer auf 3:18 Minuten.

Bundestrainer André Korff ließ sich in keiner Phase dieser WM aus der Ruhe bringen: »Wir analysierten genau jeden Lauf. Was die Frauen hier auf die Piste gebracht haben, zeigt nicht nur, wie gut wir uns auf die WM vorbereitet haben. Es bestärkt mich außerdem in der Hoffnung, dass wir auf die Olympischen Spiele im Sommer gut vorbereitet sind.« Korff schränkt jedoch im nächsten Satz gleich ein: »Olympia ist dann allerdings eine noch weit größere Herausforderung als die WM in Berlin.«

Die erfahrene Ex-Weltmeisterin Brennauer kennt die Härten Olympias, bleibt aber optimistisch: »Wir haben gut trainiert, können genau wie andere Mannschaften große Gänge treten und hielten bei der WM der Weltspitze Stand.«

Teamkollegin Franziska Bauße pflichtete ihr bei: »Wir werden nach den Medaillen bei der WM jetzt nicht zurückstecken und weiter hart für Olympia arbeiten.«

Schließlich haben sich die deutschen Ausdauerfahrerinnen aus der Rubrik »Unter ferner liefen« innerhalb von drei Jahren in die Weltklasse vorgekämpft. Da dürfen die Männer durchaus einmal ehrfurchtsvoll den Hut ziehen.

Jetzt allerdings geht es für die Frauen nicht etwa in den Urlaub, wie ihn die Sprinterinnen Emma Hinze, Pauline Grabosch und Lea Sophie Friedrich mit ihren Weltmeistertiteln antreten. »Wir gehen jetzt auf die Straße«, sagt Lisa Brennauer mit leuchtenden Augen. Dass die Ausdauerfahrerinnen auch bei Rennen im Freien antreten, ist durchaus üblich. Zunächst schrubben Brennauer und ihre Kolleginnen um Gudrun Stock Trainingskilometer auf Mallorca. Die frühere Erfurterin und aktuelle Münchnerin Stock komplettierte übrigens den Erfolgsvierer.

»Danach starten wir bei allen Frühjahrs-Klassikern, sofern sie wegen des Coronavirus nicht abgesagt werden«, verrät Brennauer. Zu den Klassikern gehören für die Frauen etwa Gent-Wevelgem, die Flandern-Rundfahrt, das Amstel-Goldrace und Lüttich-Bastogne-Lüttich.

In Deutschland gilt die Thüringen-Rundfahrt als Höhepunkt der Etappenrennen. Trainer Korff sieht keine Probleme im Ausflug seiner Frauen auf die Straße: »Im Gegenteil. Die Straßenrennen kommen uns entgegen. Auf der Straße werden die großen Gänge getreten, die jetzt auch immer mehr von den Bahnfahrerinnen übernommen werden.« Außerdem hat Brennauer bei Olympia in Tokio nicht nur die Bahn im Blick: »Wenn ich nominiert werde, will ich neben dem Bahnvierer möglichst im Straßenrennen und im Einzelzeitfahren auf der Straße antreten.«

Das wären dann drei Starts, da die Einzel-Verfolgung der Frauen - die Leipzigerin Petra Roßner gewann in dieser Disziplin 1992 in Barcelona Gold - aus dem olympischen Programm gestrichen wurde. Bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro landete Brennauer im Kampf gegen die Uhr auf der Straße auf dem achten und im Straßenrennen auf den 19. Rang. Da ist Luft nach oben. »Ich will bei einem Start in Tokio schon um einen Podestplatz kämpfen«, sagt Brennauer.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln