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Sport und Rassismus

Weniger Platz für Rassisten

Eine Spurensuche im Basketball: Rechte Anfeindungen gibt es ebenso wie im Fußball. Aber alle hoffen, dass das Problem hier nicht so groß ist

Von Marion Bergermann

Einige Fans sind viel zu früh da, die Halle ist noch zu. Erst in anderthalb Stunden wird Alba Berlin in der Euroleague gegen den FC Barcelona spielen. Neben der Arena haben Alba-Fans gelbe und blaue Alba-Flaggen ausgerollt. Die Fanklubs »Alba-Tross« und »Block 212« bewahren in einem seitlichen Abstellraum ihre Fahnen und Trommeln auf. Mit ihnen werden sie später ihre Lieblingsmannschaft anfeuern. 17 Basketballer gehören zu Albas Kader, fünf davon sind schwarze Spieler.

Basketball und Fußball haben etwas gemeinsam: Der Anteil von schwarzen Spielern steigt ständig an, von den oberen Ligen bis hinunter in die Freizeitmannschaften. Besonders im Fußball stieß das einigen Fans immer wieder auf. Gibt es im Basketball auch rassistische Anfeindungen?

Nein, sagen zwei junge Leute vom Block 212, die aber anonym bleiben möchten. Basketball sei für seine Fans keine »Art Religion«, wie es im Fußball der Fall sei. »Je weiter man sich von den beliebtesten Sportarten entfernt, desto weniger hat man dieses Ultratum«, fügt der Mann, Ende 20, hinzu. Es sei auch die Masse in einem Stadion, in der Beleidigungen »ein Stück weit untergehen«. Seine Fankollegin fügt hinzu: »Hier ist auch nicht Oberkörper frei angesagt und niemand schmeißt Bierbecher durch die Gegend. Wir wollen zwar eine gute Atmosphäre schaffen, aber nicht auf so einem aggressiven Level.«

Später am Abend wird es im Europacup-Match knapp für Barcelona. Eigentlich hatten die Fans erwartet, der starke Verein aus Spanien werde die Partie locker gewinnen, aber Alba führt sogar zeitweise. 8797 Basketballfans verfolgen das Spiel, teils rufend, klatschend. Ausfällig wird niemand, jedenfalls nicht in Hörweite. Das war im Dezember, als Bayern München zu Gast war, anders. Ein Alba-Fan beleidigte Münchens Spieler Greg Monroe rassistisch. Die Spieler bekamen davon nichts mit. Die Umstehenden meldeten den jungen Mann jedoch, Monroe erstattete Strafanzeige, der Täter bekam Hausverbot.

Die Reaktion sei »selbsterklärend für das Verhalten der Alba-Fans und im Basketball generell, was dieses Thema angeht«, sagt Sportchef Himar Ojeda am Mittwoch dem »nd«. In den vier Jahren, die er bei Alba Berlin ist, habe er so etwas sonst nie erlebt. Auch bei den Spielen anderer Vereine, bei denen er zuschaue, sei so etwas nicht vorgekommen. Und rassistische Anfeindungen seien kein Thema, was unter den Spielern viel besprochen werde, berichtet Ojeda.

Trotzdem gab es gerade in letzter Zeit einige Fälle. Im Februar überreichte bei einem Jugendspiel der Nachwuchs-Bundesliga eine Frau aus dem Umfeld des Hagener Heimvereins zwei schwarzen Spielern der Berlin Tiger Schokoküsse, in Verbindung mit einem hämischen Spruch. Das schrieben die Berliner auf Instagram. Im November sollen drei Fans des Zweitligisten Lok Bernau bei einem Heimspiel Christopher Hooper, Spieler der Itzehoe Eagles, rassistisch beleidigt haben. Lok Bernau wies darauf hin, dass solche Taten zur Anzeige gebracht würden. In diesem Fall aber »konnte bisher keine verantwortliche Person der Tat zugeordnet werden«.

Der Fall, der am meisten Aufmerksamkeit bekam, passierte im September letzten Jahres in Weißenfels. Ein Fan imitierte Affenlaute in Richtung des Ludwigsburger Kapitäns Konstantin Konga beim Bundesligaspiel. Der weiße Spieler hatte vor kurzem den Nachnamen seiner Frau angenommen.

»Ich weiß nicht, ob Basketball ein Rassismusproblem hat, ich glaube eher, Deutschland generell hat eines«, sagt Konstantin Konga. Anfeindungen aufgrund von Herkunft würden »salonfähig, dadurch dass bestimmte Politiker Hetze machen«. Er hoffe, »dass es beim Basketball genug Leute gibt, die sofort etwas dagegen unternehmen würden«, sagt der gebürtige Berliner. Aber, merkt er auch an: »Mir werden oft Fragen gestellt zu dem Vorfall mit meinem Nachnamen. Jetzt habe ich diese Plattform, die Personen gehört, die ganz andere Sachen erlebt haben. Es ist sehr wichtig, auch schwarze Personen mehr in die Diskussion einzubringen.«

Konga sagt, ihm sei nicht bekannt, dass vor ihm schon einmal jemand derartig beleidigt wurde. Auch Christoph Büker, Sprecher des Deutschen Basketballbundes, kann sich an keinen vorherigen erinnern. »Wir haben keine Kenntnis davon, dass Rassismus im Basketball in Deutschland ein großes Thema ist«, sagt Büker. Beleidigungen der Spieler durch Fans gebe es im Basketball kaum.

Der Sport ist zwar hierzulande keine Nische mehr, aber klein im Vergleich zu Fußball. Deutsche Basketballvereine hatten im Jahr 2018 rund 208 000 Mitglieder, Fußballvereine rund 7 090 000. Egal wie groß ein Sport ist, gegen Ausgrenzung müssen alle etwas tun.

In der Hauptstadt soll es ab April eine Klärungsstelle »für Fälle von Diskriminierungen aller Art« geben, berichtet der sportliche Leiter des Berliner Basketball Verbands, Marius Huth.

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