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Almosen für die Alten

Diether Dehm und Christian Petry präsentieren ein trauriges Büchlein

Viel Hoffnung können sie nicht machen, die mehr oder weniger prominenten Politiker, denen die Seniorinnen und Senioren dieses Landes sehr am Herzen liegen. Leider müssen sie vor allem feststellen, wie die Armut im letzten Lebensabschnitt zunimmt, die Angst vor dem Alter wächst und der Generationenvertrag aufgekündigt wird. Mehr und mehr schwindet die Zuversicht, jenseits der 67 ein auskömmliches Leben zu haben und menschenwürdige Pflege zu erleben, wenn sie denn nötig werden sollte. Die Verhältnisse, sie sind nicht so …

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Dieter Dehm/ Christian Petry (Hg.): Rente und Respekt. Das rot-rote Buch fürs Älterwerden. Das Neue Berlin, 96 S., br., 8 €.

Dem Alter und seiner zunehmenden Zerbrechlichkeit sei mehr abzugewinnen, als es uns eine gierige, hauptsächlich an der Jugend verdienende »Marktwirtschaft« weiszumachen versucht, schreibt der Liedermacher Konstantin Wecker, inzwischen bald 73 Jahre alt. Denn: »Das Alter birgt in seiner Zerbrechlichkeit seine eigene Schönheit des Soseins. Des Seins ohne immer neuen Anspruch und Ehrgeiz, mag sein: nicht ganz ohne neue Eitelkeit, aber doch mit weniger albernem Rumgegockel, Aufplustern und Alles­besser-wissen­wollen.«

Dem muss Sahra Wagenknecht einfach widersprechen: »Leider haben viele Menschen gute Gründe, sich vor dem Alter zu fürchten. Wird die eigene Rente zum Leben reichen, oder werde ich meinen Kindern und Enkeln auf der Tasche liegen? Werde ich eine altengerechte Wohnung finden, wenn ich sie brauche? Wer wird mich pflegen, wenn ich einmal darauf angewiesen bin?«

Genau um diese Fragen geht es, und die Politik der letzten 20 Jahre war leider nicht dazu angetan, den Menschen diese Sorgen zu nehmen. Sie ist es bis heute nicht, was man unschwer daran erkennen kann, wie in der Großen Koalition um die Bedingungen für eine Grundrente gefeilscht wurde und wie beharrlich konservative Kräfte für eine kapitalgestützte Altersvorsorge plädieren. Martin Schulz, ehemaliger SPD-Kanzlerkandidat, warnt: »Ein Solidarsystem sollte man nicht privatisieren. Wir müssen es auf neue, stabile Füße stellen.« Ob das gelingt, ist mehr als fraglich. Welche Kräfte in der SPD ihm helfen, das durchzusetzen, ebenfalls.

Tröstlich: Politik-Experten der Linken und der Sozialdemokraten haben sich zusammengefunden, um ausnahmsweise einmal nicht das Trennende, sondern Gemeinsamkeiten zu erörtern - mit dem Ziel, im öffentlichen Meinungsraum für neue Kraft zu sorgen, nicht zuletzt, um den Rechtspopulisten inhaltlich entgegenzutreten.

Das Ergebnis: In den grundsätzlichen Positionen liegen SPD und Die Linke gar nicht so weit auseinander. Sie wollen alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rente einbeziehen, neben den Selbstständigen auch Beamte und Abgeordnete. Und sie wollen das gesetzliche Rentenniveau anheben. Die Linken sofort, die Sozialdemokraten perspektivisch. Eigentlich eine gute Grundlage für eine Zusammenarbeit in sozialen Fragen. Und die wäre doch derzeit so angesagt wie lange nicht.

Leider hat das vorliegende Rentenbüchlein den gestalterischen Spagat zwischen Fakten und Fazit nicht so recht hinbekommen. Die Parteipositionen in Stichworten passen nicht recht zu den sehr persönlich gehaltenen Betrachtungen von Konstantin Wecker oder Bascha Mika. Letztere würde ich gern fragen, weshalb sie um Himmels willen so viel Wert darauf legt, dass ältere Frauen von Männern im öffentlichen Raum angeschaut werden.

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