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Ist Sex haben sexistisch?

  • Lesedauer: 2 Min.

Katja Lewina schreibt über Themen des Alltags: Wie sie sich für eine offene Ehe entschied oder auch einmal für einen Masturbationsmarathon. Nun hat die 1984 in Moskau geborene Journalistin aus ihren Kolumnen und unveröffentlichten Texten das Buch »Sie hat Bock« zusammengestellt. Und fragt sich: Ist die Art, wie wir Sex haben, sexistisch? Die Antwort besteht aus Anekdoten, von ihr und von anderen, geschrieben in einer sehr direkten Sprache. Laut einer Studie des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf lernen viele Mädchen ihren Körper und ihre Lust kaum kennen, und wenn, dann erst im Zusammensein mit Partner*innen, während Jungs im Teenageralter mit sich selbst experimentieren. Für Lewina ist klar: Das hat strukturelle Gründe! Sie gibt zur schnöden Statistik ein schönes Gegenbeispiel: »Ich muss ungefähr vier Jahre alt gewesen sein, (als) ich mich rittlings auf einer dieser Puppen mit Stoffkörper wiederfand … Ein bisschen Oberschenkelspannung, ein bisschen hin und her rutschen ... Das fühlt sich ja krass gut an!« Katja Lewina hat nicht nur Bock auf Ficken, sondern auch auf Masturbation, soll heißen: auf Selbstbestimmung. »Sie hat Bock« ist auch Kampf um Freiheit - um frei zu sein von Gewalterfahrungen und Angst, mit denen FLTI* (Frauen, Lesben, Trans, Intersex*) leider noch immer konfrontiert werden. »Je weniger Sexualität tabuisiert wird, desto weniger gibt es Auswüchse wie unterdrückte sexuelle Wünsche und sexualisierte Gewalt«, sagte Lewina dem Magazin »Edition F«. Sie erzählt von eigenen Erfahrungen sexualisierter Gewalt, ohne sich von den Täter*innen zum Opfer machen zu lassen. »Was mich angeht, so habe ich mit metoo beschlossen, dass ich es nicht mehr wortlos hinnehme, wenn jemand meine Grenzen übertritt«, schreibt sie. Und fängt eines Nachts an, zurückzuschlagen. Alle Kurztexte des Buches eint vor allem die Selbstermächtigung der Protagonist*innen: »Schlampen und Fotzen dieser Welt vereinigt euch!« (Dumont, 224 S., geb., 24 €)

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