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Die Spieler wollen weitermachen

Auch im Eishockey, Handball oder Basketball ist nicht sicher, ob die Klubs die Saison zu Ende spielen können

  • Von Oliver Kern, Alexander Ludewig, Marion Bergermann, Manfred Hönel
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Worte von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatten große Wirkung: »Ich ermuntere ausdrücklich, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen«, hatte der CDU-Politiker am Sonntag getwittert. Seitdem telefonieren sich auch Sportvereine die Ohren heiß. Kann ihr nächstes Spiel überhaupt stattfinden. Und wenn ja: mit Zuschauern oder ohne?

Es herrscht Chaos bei der Frage, wer überhaupt für eine Absage sorgen kann. Der Minister, die Ligen oder die Vereine? In den meisten Fällen gilt: Keiner der drei. In Deutschland herrscht Föderalismus. Also haben die Bundesländer oder die Gesundheitsämter der Kommunen das Sagen. So lange sie jedoch zögern, müssen sich die Klubs auf alle Eventualitäten einstellen. »Stand jetzt finden alle Spiele der DEL wie geplant statt. Am Mittwoch beginnen die Pre-Playoffs. Sollten die Behörden Einspruch einlegen, werden wir reagieren, ob wir ohne Zuschauer spielen oder gar nicht oder ob wir noch eine andere Lösung finden«, teilte Gernot Tripke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga, am Montag mit.

Spiele ohne Fans würden die Vereine je nach Hallengröße zwischen 60 000 und mehr als 200 000 Euro kosten. Kein Geld, auf das die Klubs einfach verzichten können, besonders außerhalb des Fußballs, wo die TV-Verträge nicht so üppig sind. »Wir richten uns nach den Entscheidungen der Experten. Wir hoffen - auch wegen des Vorverkaufs - auf eine baldige Entscheidung«, sagte Stephane Richer, Sportdirektor der Eisbären Berlin dem »nd«. Ein Spiel in der alten kleineren Spielstätte, dem Wellblechpalast, vor maximal 1000 Zuschauern sei bis jetzt noch nicht angedacht.

Auch die Fußballklubs warten erst mal ab. »Die Empfehlung eines Bundesministers ist keine rechtliche Grundlage für eine Entscheidung. Ein Ausschluss von Zuschauern aufgrund einer solchen Empfehlung wäre also Vertragsbruch des Veranstalters. Welcher Veranstalter sollte also eine solche Entscheidung treffen?«, fragte Christian Arbeit, Sprecher des 1. FC Union Berlin.

Was aber, wenn das Amt die Verantwortung weiterschiebt? Die Stadt Erfurt gab für das kommende Heimspiel der Handballerinnen des Thüringer HC keine Empfehlung ab. Das müsse der Klub selbst entscheiden, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Halle fasst 1500 Fans, und gegen den Tabellenzweiten aus Bietigheim dürfte sie am Freitagabend voll werden.

Andernorts wird noch debattiert. Die Füchse Berlin befinden sich wie alle anderen Handball-Bundesligisten im kontinuierlichen Austausch mit den Gesundheitsbehörden der Stadt, aber auch mit den anderen Vereinen und der Ligaführung. »Der Spielbetrieb wird weiter laufen, egal in welcher Form. Die oberste Priorität ist natürlich Gesundheit«, hieß es. Klubpräsident Frank Steffel sprach sich indes gegen Absagen und Geisterspiele aus. »Den Aufruf, pauschal Sportveranstaltungen abzusagen, finde ich falsch und unverhältnismäßig«, sagte er am Montag der dpa. »Wenn wir bei jedem Grippevirus zukünftig Sportveranstaltungen verbieten wollen, brauchen wir keine Sportveranstaltungen mehr durchzuführen.«

Steffel verwies auf »dramatische wirtschaftliche Konsequenzen bis hin zur Insolvenz für zahlreiche Vereine«. Die könnten ihre Spieler auch nicht einfach in Kurzarbeit schicken. »Diese pauschalen Ansagen gefährden in vielen Regionen Leuchttürme des Sports«, sagte das Mitglied im Bundestags-Sportausschusses.

Der deutsche Volleyballmeister Berlin Volleys wartet ebenfalls noch auf die Entscheidung von der Senatsverwaltung für Gesundheit. Ein Zuschauerausschluss täte hier besonders weh, denn am Sonntag kommt der Erzrivale aus Friedrichshafen. Bei keinem Gegner kommen mehr Fans in die Max-Schmeling-Halle. Zudem ist eine Live-Übertragung im Free-TV geplant. »Wir diskutieren alle Szenarien. Die Liga möchte, dass die Saison zu Ende gespielt wird, notfalls ohne Zuschauer«, sagte ein Vereinssprecher am Montag.

Auch die anderen Ligen, ob im Fußball, Eishockey, Basketball oder Handball drängen die Vereine darauf, die Saison irgendwie zu beenden. Auf- und Absteiger sowie Teilnehmer an Europapokal-Wettbewerben sollen regulär ermittelt werden.

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