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Die Corona-Epidemie im globalen Süden: Vergessene Opfer?

Krankheitsausbrüche sind erst dann von globalem Interesse, wenn sie die weltwirtschaftlich relevanten Länder und Transportrouten erfasst werden

  • Von Andreas Wulf
  • Lesedauer: 2 Min.
Das undatierte Handout von Ärzte ohne Grenzen zeigt eine Impfaktion gegen Masern, Polio und Meningitis in einem von der Hilfsorganisation installierten Gesundheitszentrum Bitoye (Tschad).
Das undatierte Handout von Ärzte ohne Grenzen zeigt eine Impfaktion gegen Masern, Polio und Meningitis in einem von der Hilfsorganisation installierten Gesundheitszentrum Bitoye (Tschad).

Warum sind Krankheitsausbrüche und Gesundheitsprobleme erst dann von globalem Interesse, wenn sie die weltwirtschaftlich relevanten Länder und Transportrouten erfassen? Oder werden sie dort schlichtweg besser wahrgenommen?

Deutlich ist in den letzten Wochen auf jeden Fall geworden: Die Weltgemeinschaft ist bereit, viel mehr zur Bekämpfung der Corona-Epidemie zu investieren als bei einem akuten Masernausbruch 2019 mit über sechstausend Toten in der Demokratischen Republik Kongo oder dem dort seit eineinhalb Jahren nicht beendeten Ebola Ausbruch mit 2.250 Toten.

Nicht zu sprechen von den weiterhin großen globalen Killern: 2019 erkrankten 10 Mio. Menschen an Tuberkulose und 1,8 Mio. starben daran, 230 Mio. Menschen erkrankten an Malaria mit nahezu 400.000 Todesopfern und knapp 800.000 Menschen starben im letzten Jahr an AIDS.

Der allergrößte Teil dieser Opfer leben im »globalen Süden« und es erstaunt nicht, dass hier die Prioritäten der öffentlichen Gesundheitssysteme zumindest aktuell nicht auf der Erkennung und der Bekämpfung des Coronavirus Ausbruch liegen, zumal diese Erkrankung in den allermeisten Fällen als milde Erkältungskrankheit verläuft und nur selten zu den schweren Lungenentzündungen werden, die dann auch tödlich verlaufen können.

Es hilft meines Erachtens wenig, darüber zu spekulieren, ob das Virus nun schon in den Millionenstädten Afrikas oder Indiens angekommen ist - bei der starken Zunahme der afrikanisch-chinesischen-indischen Wirtschaftsverbindungen in den letzten 20 Jahren wäre es eher verwunderlich, wenn das nicht der Fall wäre. Angesichts der beschriebenen Realitäten und Prioritäten für die Menschen dort, wird das Coronavirus wahrscheinlich immer nur eine Nebenrolle spielen, und meistens unentdeckt bleiben.

Viel wichtiger ist es, dass eine echte globale Weltverantwortung, von der jetzt mit Blick auf Corona die Rede ist, die Stärkung der Gesundheitssysteme an allen Orten der globalen Welt in den Blick nehmen muss und nicht nur selektiv in der einen und anderen Epidemie auf schnelle technische Lösungen wie den nächsten Impfstoff und Quarantänemaßnahmen zu setzen. Erst mit einer solchen echten »globalen Gesundheitsversicherung« wäre den Menschen mit ihren jeweiligen Gesundheitsproblemen wirksam geholfen. Von solchen Weltgesundheitsverhältnissen sind wir leider noch weit entfernt.

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