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Wo Covid-19 zu Innovation führt

Japans Elektronikunternehmen steigen zunehmend in das Geschäft mit Gesundheit und Krankheiten ein

  • Von Felix Lill, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.

Avigan ist ein Medikament, das gegen Infektionen mit verschiedenen Viren verwendet wird. Es soll gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 wirken. Es ist inzwischen in China zugelassen und wird auch in Japan bereits Covid-19-Patienten gegeben. Schon vor sechs Jahren wurde das Medikament im Kampf gegen Ebola eingesetzt.

Das Besondere an Avigan: Entwickelt wurde es von Fujifilm, eigentlich bekannt als Hersteller von Kameras und Filmen. Die Holding aus Tokio, die sich schon zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern gewandelt hat, freut sich nun über einen Großauftrag der japanischen Regierung, die im Ernstfall zwei Millionen Infizierte versorgen können will. Sollte sich in den kommenden Wochen herausstellen, dass Avigan tatsächlich effektiv bei der Krankheitsbekämpfung ist, winken für Fujifilm Gewinne in Milliardenhöhe. Zweifler im eigenen Haus, die sich vor Jahren gegen den Eintritt in das eher fremde Medizingeschäft sträubten, wären damit endgültig verstummt.

Die Fokussierung von Unternehmen auf gesundheitsbezogene Geschäftsfelder ist schon länger ein Trend in Japan. Beobachter erwarten aber, dass sich Covid-19 für viele Firmen in einigen Jahren rückblickend als geschäftliche Innovationswende betrachten lässt. Angesichts der aktuellen Krise versuchen sich Betriebe bereits in der Herstellung von neuen Gesichtsmasken, Desinfektionssprays und weiteren Produkten, die die Aufnahme von Viren bekämpfen. Forschungsinstitute wie Unternehmen arbeiten zudem an Impfstoffen.

Dass sich Betriebe angesichts einer größeren Herausforderung neu orientieren, ist gerade in Japan ein nicht untypisches Muster. Insbesondere in der Elektronikbranche haben in den vergangenen Jahren viele Betriebe durch mutige Entscheidungen ihr Gesicht verändert. Während gegen Ende des 20. Jahrhunderts diverse Weltmarktführer aus Japan kamen, verdient heute kaum noch jemand am einstigen Kerngeschäft. Allmählich hatte die Konkurrenz aus Südkorea und China ein genügend hohes Qualitätsniveau mit niedrigeren Preisen erreicht. Zum Teil hatte man aber auch wichtige Trends wie die Digitalisierung und Plattformtechnologien verschlafen. Viele der einstigen Innovationsmaschinen aus Japan drohten unterzugehen.

Die Liste der Unternehmen, die sich wegen eines schwindenden Kerngeschäfts umorientierten, ist lang. Der Toshiba-Konzern, der in den 1980er Jahren den ersten Personal Computer als Laptop herausbrachte und in der Videotelefonie lange führend war, orientierte sich inmitten diverser Krisen mehrmals neu. Nach Engagements in den Geschäften für Halbleiter und dem Bau von Kraftwerken versucht man sich jetzt unter anderem in der Entwicklung von Gemüse im Labor und will im Bereich der Früherkennung von Krankheiten durch das Sammeln von DNA-Material punkten.

Sony, das einst den Walkman entwickelte und damit das Musikhören tragbar machte, hat dieses revolutionäre Produkt 2010 vom Markt genommen und sich auch vom dominierenden PC- und Fernsehergeschäft getrennt. Dafür hat sich der Konzern als wichtiger Akteur im Entertainmentbusiness von Filmen über Gaming bis zu Musik etabliert. Man ist nah an der Unterhaltung geblieben, macht heute aber mehr mit Inhalten als mit Hardware Geld.

Nintendo und Konami, ab den 1990er Jahren führend bei Konsolen und Videospielen, haben auf diesem Gebiet Markanteile verloren und versuchen sich mittlerweile verstärkt im Geschäft mit Gesundheit und Fitness. Diese werden in Japans alternder Gesellschaft immer wichtiger.

Covid-19 wird diesen Trend weiter beschleunigen. Derzeit scheint ein Umschwenken in Geschäftsbereiche vielversprechend, mit denen die weitere Ausbreitung des Virus vermieden werden soll. Impulse dafür könnten einmal mehr aus Japan kommen.

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