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Börsen brechen erneut ein nach Leitzinssenkung

US-Notenbank senkt Leitzins um einen Prozentpunkt auf 0 bis 0,25 Prozent / Dax sinkt unter Schwelle von 9000 Punkten

  • Lesedauer: 4 Min.
In der Coronavirus-Krise kommen die üblichen Instrumente der Geldpolitik an ihre Grenzen.
In der Coronavirus-Krise kommen die üblichen Instrumente der Geldpolitik an ihre Grenzen.

Frankfurt am Main. Angesichts der Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie ist der Deutsche Aktienindex (Dax) erneut massiv eingebrochen. Der Dax sackte dabei unter die Marke von 9000 Punkte. Am frühen Montagnachmittag büßte er 9,3 Prozent auf 8369,74 Zähler ein. Er fiel damit auf den tiefsten Stand seit September 2013. Auch die Maßnahmen mehrerer Notenbanken rund um den Globus konnten die Kursverluste nicht verhindern. Von den 30 Dax-Titeln musste fast die Hälfte prozentual zweistellige Verluste hinnehmen.

Mit den neuen Verlusten summiert sich der Einbruch des Dax in den vergangenen gut drei Wochen mittlerweile auf fast 40 Prozent. »Das kreischende Abbremsen der weltweiten Konjunktur ist zu beängstigend, als dass die US-Notenbank noch beruhigen könnte«, schrieb Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank. Selbst Nullzinsen könnten massive Verluste der Unternehmen und Einkommensausfälle von Beschäftigten nicht aufwiegen. Die Bewertungsverluste an den Börsen seien die höchsten seit der großen Finanz- und Schuldenkrise vor zwölf Jahren, merkte Stratege Nick Nelson von der Bank UBS an.

Ähnliche Kursrutsche wie in Deutschland gab es auch in den USA und anderswo in Europa. Der Handel an den US-Aktienmärkten ist am Montag kurz nach einer sehr schwachen Eröffnung ausgesetzt worden. Der Leitindex Dow Jones Industrial sackte sofort nach Handelsstart um knapp 10 Prozent auf 20 935 Punkte ab, stieg kurze Zeit später aber wieder. In Paris lag der CAC der 40 größten Unternehmen mit 5,9 Prozent im Minus. Das Börsenbarometer in London brach um 5,3 Prozent ein, in Mailand wurde ein Verlust von 5,4 Prozent verzeichnet. Die Börse in Madrid brach um knapp sieben Prozent ein. Bereits in der Vorwoche hatten die Börsen weltweit wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus historische Verluste verzeichnet.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hatte die US-Zentralbank (Fed) den Leitzins am Sonntagabend überraschend um einen ganzen Prozentpunkt auf einen Korridor von 0 bis 0,25 Prozent verringert. Zudem will die Fed die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Anleihekaufprogramm ankurbeln und Banken vorübergehend Notfallkredite gewähren, wie sie es bereits nach der großen Finanzkrise 2008 getan hatte. Die Maßnahmen erfolgten nur wenige Tage vor der geplanten Zinssitzung an diesem Mittwoch.

Nach der Zinsentscheidung hatte der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, deutlich gemacht, alle Instrumente zu nutzen, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie zu dämpfen. Die Virus-Krise habe tiefe Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft, sagte Powell. Die Fed verfüge immer noch über genügend Handlungsspielraum. Negative Zinsen betrachte der Notenbankchef aber nicht als angemessenes Instrument.

In den USA wächst wegen der Auswirkungen des Coronavirus die Sorge vor einer Rezession. Erst Anfang März hatte die US-Notenbank den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf einen Korridor von 1 bis 1,25 Prozent gesenkt. Dieser Schritt hatte die Finanzmärkte jedoch wenig beeindruckt und konnte den heftigen Ausverkauf an den Börsen nicht stoppen. Analysten zweifeln ohnehin, ob den Sorgen der Anleger wegen des Coronavirus mit billigem Geld beizukommen ist. Auch dieses Mal könnte der Effekt der Zinssenkung am Aktienmarkt verpuffen.

Auch weitere führende Notenbanken haben sich am Montag mit neuen Notfallmaßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise gestemmt. Am Morgen kündigte die japanische Notenbank den Kauf weiterer Wertpapiere an. In Hongkong reagierte die Notenbank mit einer kräftigen Leitzinssenkung, nachdem die US-Notenbank bereits am Sonntagabend und damit nur wenige Tage vor der regulären Zinssitzung ein neues Maßnahmenpaket zur Eindämmung der Krise verkündet hatte und den Leitzins drastisch senkte. Auch die Notenbank von Korea senkte den Leitzins.

Japans Notenbank versuchte am Montagmorgen mit einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms gegen die Folgen der Virus-Krise anzukämpfen. Hierzu zählen demnach der Erwerb von börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und Unternehmensanleihen. Außerdem sollen Japans Firmen Kreditprogramme zum Nullzins angeboten werden. Mit den Maßnahmen soll die Marktstabilität in Japan gewährleistet werden.

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Im Anschluss an die Veröffentlichung der geldpolitischen Maßnahmen hat Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda versichert, dass die Bank of Japan die weitere konjunkturelle Entwicklung genau verfolgen werde. Man werde nicht zögern, die Geldpolitik noch weiter zu lockern. Kuroda ging aber davon aus, dass die aktuellen Maßnahmen den Markt stützen werden.

Am Morgen folgte auch Südkorea mit einer Zinssenkung. Die Bank of Korea schraubte den Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent nach unten. Zuvor hatte bereits die Notenbank von Hongkong den Leitzins in der vergangenen Nacht um 0,64 Prozentpunkte auf 0,86 Prozent reduziert. Die Zinsschritte erfolgte nur wenige Stunden, nachdem die US-Notenbank Fed ebenfalls den Leitzins erneut massiv gesenkt hatte. Agenturen/nd

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