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Berlin verschaukelt Corona

An die frische Luft mit euch, sagt der Senat – und lässt die Spielplätze der Hauptstadt offen

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Berlins Spielplätze bleiben trotz Corona-Krise offen. Wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstagnachmittag auf der Senatspressekonferenz erklärte, wird sich die Hauptstadt in dieser Frage nicht der Empfehlung des Bundes anschließen. Am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt, dass sich die Bürger darauf einstellen sollen, dass nach den Kitas und Schulen jetzt auch die Rutschen, Schaukeln und Klettergerüste dichtgemacht werden.

In einer Großstadt wie Berlin sei das aber kaum durchsetzbar, ergänzte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) auf der Pressekonferenz. Es sei schließlich auch gesund, wenn die Menschen an die frische Luft gehen. Ihre Senatskollegin Kalayci mahnte die Eltern trotzdem zur Umsicht, damit die Corona-Pandemie eingedämmt wird: »Wenn man Spielplätze nimmt, rate ich Eltern, die Abstandsregeln von 1,5 Meter einzuhalten.« Bevor Kalayci und Pop die Entscheidung des Senats bekannt gaben, hatten sich am Dienstag viele Eltern offenbar schon auf die erwarteten Beschränkungen eingestellt. Auf dem üblicherweise stets übervollen Spielplatz am Lausitzer Platz in Kreuzberg beispielsweise tollen am frühen Nachmittag gerade einmal 15 Mädchen und Jungen herum. Zumindest Julia Vetter ist etwas überrascht von der ungewohnten Übersichtlichkeit auf dem Areal. »Durch die Kitaschließungen ist ja theoretisch eigentlich Sonntag«, sagt die Kreuzberger Mutter, deren zweijähriger Sohn Luam gerade durch den Sand tobt. Dass sich Berlin anders als Brandenburg, Bayern oder Baden-Württemberg nicht den Empfehlungen des Bundes zum Shutdown der Spielplätze anschließt, findet sie richtig. »Wenn man die öffentlichen Räume komplett dichtmacht, rasten die Leute doch aus.«

Mario Clemens, der seiner zweijährigen Tochter Selma beim Spielen auf dem Lausitzer Platz zuschaut, sieht das ähnlich. Auch er meint, dass man die Kinder schlecht einsperren könne. Dies umso weniger, als jetzt der Frühling beginne. »Wenn das Wetter so bleibt, werden wir viel draußen sein.« Julia Vetter, die neben ihm steht, glaubt, dass die Sperrung von Spielplätzen in einer Stadt wie Berlin nicht nur schwer durchsetzbar gewesen wäre. Auch gebe es genügend andere Plätze, wo Kinder herumtoben können. »Das Einzige was wichtig ist, dass man sich umsichtig verhält und Abstand hält.«

Genau das fordert auch Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes von Friedrichshain-Kreuzberg, dessen Mitarbeiter sich am Dienstag eigentlich schon auf die Schließungen der Spielplätze vorbereitet hatten. »Wir müssen mit Blick auf die Einhaltung des Distanzgebots an den Geist der Solidarität appellieren«, sagt Weisbrich zu »nd«.
Nun hatten es in den vergangenen Tagen viele Berliner mit dem geforderten »Social Distancing« – also dem Einschränken sozialer Kontakte auf ein notwendiges Minimum – offenkundig aber nicht sehr ernstgenommen. Ob im Volkspark Friedrichshain, auf dem Arnimplatz in Prenzlauer Berg oder eben dem Lausitzer Platz in Kreuzberg: Die Spielplätze, Parks und Eisdielen der Stadt waren rappelvoll. Daran wird sich vorerst nichts ändern.

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