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Biden als Kandidat, Sanders als Programm

Weitere Vorwahlen vergrößerten Abstand zwischen Präsidentschaftsbewerbern der US-Demokraten

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Unterstützer von Bernie Sanders verstehen die Welt nicht mehr. Eigentlich wäre es doch logisch, in Zeiten einer Pandemie den Kandidaten zu wählen, dessen wichtigster Programmpunkt ein allgemeines staatliches Gesundheitssystem für alle ist. Doch die Wähler handeln nicht so, vor allem die der US-Demokraten.

Zum zweiten Mal seit dem Super Tuesday Anfang März hat Joe Biden die Vorwahlen in drei weiteren US-Bundesstaaten gewonnen. In Florida, besonders an Delegiertenstimmen reich, lag Bernie Sanders mit fast 40 Prozentpunkten hinten. In Illinois setzte sich Biden mit 23 Prozent Vorsprung durch. Auch in Arizona, ein Staat mit vielen Latino-Wählern, in dem sich die Sanders-Kampagne vorher Chancen ausgerechnet hatte, gewann Biden mit 12 Prozent Vorsprung; er hat nun einen Vorsprung von 286 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag gegenüber Sanders.

Die Vorwahlen in Ohio wurden wegen der Coronakrise auf den 2. Juni verschoben, bis dahin kann per Briefwahl abgestimmt werden. Sanders hatte, anders als Biden, seine Wähler nicht aufgefordert, an die Urnen zu gehen, sondern betont, das sei »eine persönliche Entscheidung«.

Stattdessen machte Sanders in den letzten Tagen Online-Coronavirus-Wahlkampf. Die Pandemie zeige die Notwendigkeit der Einführung von Medicare For All. Doch er stellte auch konkrete Sofortforderungen wie die kostenlose Behandlung von Covid-19 auf. Wegen des Virus wurden alle Wahlkampfauftritte abgesagt. Sanders, der mit seinem Programm an den New Deal anknüpft, inszenierte sich deswegen wie New-Deal-Architekt Franklin Delano Roosevelt in einem per Steam übertragenen »Kamingespräch« als nachdenklicher Anführer. Doch erfolgreicher in dieser Disziplin ist Joe Biden. Laut Umfragen trauen ihm die Wähler in den Vorwahlstaaten eher zu, das Land durch die Coronavirus-Pandemie zu steuern.

Biden hat angefangen, die Parteilinke und die überwiegend jungen Sanders-Unterstützer bei den Demokraten mit Konzessionen zu umwerben. Er verkündete, sich für Sanders Programmpunkt der Abschaffung der Studiengebühren an staatlichen Universitäten einsetzen zu wollen und den Vorschlag zur verbraucherfreundlichen Reform des Insolvenzrechts der progressiven Senatorin Elizabeth Warren übernehmen zu wollen.

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Wie bei allen vergangenen Vorwahlen zeigten Nachwahlbefragungen in Florida, Arizona und Illinois, dass eine Mehrheit Sanders Programmpunkt Medicare For All unterstützt. Doch als (scheinbar) wählbarer gilt Joe Biden, besonders bei den treuen Demokratenwählern. Sanders erreichte in Florida unter »Independents« besonders viele Stimmen und gewann die Gruppe in Illinois und Arizona - wie bereits zuvor in den meisten anderen Vorwahlstaaten. Einer landesweiten Umfrage zufolge hat Sanders bei allen Amerikanern gegenüber Biden aufgeholt, liegt nur noch zwei Punkte hinten. Doch unter registrierten Wählern beträgt sein Rückstand zehn Prozent.

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