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Appell mit Schönheitsfehler

Jana Frielinghaus über Angela Merkels Rede an die Nation

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 1 Min.
Menschen schauen die Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Wohnzimmer in Oberhausen. Die Bundeskanzlerin redet über die Coronavirus-Pandemie.
Menschen schauen die Rede der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Wohnzimmer in Oberhausen. Die Bundeskanzlerin redet über die Coronavirus-Pandemie.

Es war der Situation angemessen, dass die Kanzlerin das Wort an die Bürgerinnen und Bürger richtete. Denn es ist offenkundig, dass der von ihr wiederholte Appell, persönliche Begegnungen auf ein Minimum zu reduzieren, noch immer von vielen nicht ernst genommen wird.

Schräg wird es, wenn Angela Merkel behauptet, Deutschland habe »ein exzellentes Gesundheitssystem, vielleicht eines der besten der Welt«. Das ist so zynisch wie ignorant. Natürlich: Im Weltmaßstab steht die Bundesrepublik vergleichsweise gut da. Doch das jahrzehntelange Trimmen des Systems auf Effizienz hat auch hierzulande zahllose Todesfälle verursacht. Es stimmt eben nicht, dass »jeder Mensch zählt«. Die Ursachen: Dauerüberlastung von Pflegenden und Ärzten und daraus resultierende Vernachlässigung von Minimalerfordernissen bei Hygiene und Betreuung. Allein, dass von der »Gesundheitsbranche« gesprochen wird, ist Symptom einer inhumanen Politik, die die Kapitallogik selbst in Kernbereichen der Fürsorge anwendet. Merkel weiß all das - und dürfte die Brandbriefe kennen, die Fachkräfte dieser Tage angesichts der aktuellen Krise verfasst haben. Als seit fast 15 Jahren amtierende Kanzlerin trägt sie maßgeblich Verantwortung für die herrschenden Zustände. In ihrer Rede findet sich kein Wort dazu, geschweige denn das Eingeständnis von Politikversagen.

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