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Lesen eröffnet Horizonte und nimmt Ängste

Jede Nähe ist gefährlich, tönt es jetzt auf allen Kanälen. Ständig auf Distanz zu bleiben, ist schwer. Denn der Mensch ist ein Wesen, das vom und mit dem sozialen Miteinander lebt. Er lebt von den Erfahrungen, die andere vor und gleichzeitig mit ihm gemacht haben. Bücher sind ein Teil dieses gemeinsamen Erfahrungsschatzes. Was sich unsere Vormütter und -väter einst am Lagerfeuer erzählt haben, an dem sie die Angst vor dem Dunkel und dem Unbekannten mit der Erfindung von Göttern, Geistern und Totemtieren bekämpften, fand sich in Liedern und Fabeln und wurde nach und nach verschriftlicht und normiert.

Das Lesen von Büchern ist ein Teil unserer sozialen Menschwerdung, eröffnet uns Horizonte und nimmt Ängste. Der Akt des Lesens selbst braucht den Rückzug vom Lärm der Welt, die zeitweilige Distanz. Produktiv aber wird das Gelesene erst, wenn man mit anderen sich darüber austauschen, sich streiten und gemeinsam freuen kann.

Niemand kann sich dauerhaft und vollkommen zurückziehen. Aus dem pandemiegebeutelten Hongkong gibt es Bilder von Bibliotheken, in denen Menschen mit Mundschutz lesen. In Italien singen Nachbarn gemeinsam auf ihren Balkonen Partisanenlieder. Man kann sich auch von Balkon zu Balkon vorlesen, Bücher für diejenigen spenden, deren Geldbeutel schmal ist und denen man die öffentlichen Bibliotheken weggespart hat. Nicht anonym, sondern persönlich. Machen Sie anderen Mut und schenken Sie der Kassiererin im Supermarkt einen Gedichtband. Sie hat ihn sich redlich verdient.

Mario Pschera

Veranstaltungen/nd-Shop