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Corona

Wo bleibt der Mensch?

Kampfstern Corona (Teil 2): Was würde Sartre sagen?

Von Christof Meueler

Sozialkontakte vermeiden, sagt die Kanzlerin, damit man gesund bleibt. Das Soziale soll in dieser Logik darin bestehen, dass man das Soziale abschafft. Prägnanter wurde der Neoliberalismus hierzulande noch nicht auf den Punkt gebracht. Doch das Liberale daran, die individuellen Freiheitsrechte, schwindet. Nur vorübergehend? Das Autoritäre wird mächtiger, egal, wie freundlich es auch auftritt: Als Maßnahme, Befehl, Kontrolle und Strafe. »Es ist ernst, nehmen Sie es auch ernst« lautet Merkels Merksatz.

Wie hieß es noch mal bei Jean-Paul Sartre? Die anderen Menschen sind die Hölle, wenn man sich zu sehr auf sie konzentriert, anstatt auf sich selbst. Sie werden »genichtet«, sind nur Hintergrund, wenn es auf etwas anderes ankommt. Aber auf was? Die »Märkte« sind verdammt unruhig, die Autokonzerne stellen die Produktion ein, doch die Finanzwetten auf den Niedergang von Firmen, Branchen und ganzen Staaten sind immer noch nicht verboten. Das ist sehr beunruhigend für alle Menschen, die auf den Börsen kein Geld verbrennen können. Sollen ihre Sorgen »genichtet« werden? Geht es der Ökonomie schlecht, geht es dem Sozialen noch schlechter.

Aber bei Sartre heißt es: »Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein«. Bitte auswendig lernen! »Der Mensch ist, was er aus sich macht«, denn es gibt keinen Gott, keine Versprechen, nur die Gegenwart. Wenn der Mensch Angst hat, spürt er auch die Freiheit. Er wird sich seines »nichtenden« Seins bewusst, er »ist zur Freiheit verdammt«, wie Sartres berühmtester Satz lautet. »Er macht, dass es Welt gibt.« Und nicht das Virus oder die Wirtschaft.

Foto: AFP/Oli Scarff