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US-Profis zieht es nach Hause

Die Basketball Bundesliga BBL ist offiziell nur unterbrochen, doch eine Fortsetzung der Saison scheint kaum mehr möglich

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.

Für Raoul Korner ist das Ende offensichtlich. Der Trainer der Basketballer aus Bayreuth sieht wegen all der landesweiten Verbote für sportliche Betätigungen oder Veranstaltungen mit Zuschauern keine Chance mehr für die Fortsetzung der aktuellen Bundesligasaison. »Eines ist für mich glasklar: Ich sehe kein realistisches Szenario, in dem man diese Saison in der Bundesliga zu Ende spielen kann«, sagte der Österreicher in einem Vereinsinterview am Sonntag. »Wir werden froh sein können, wenn wir die nächste Saison pünktlich starten kann«, ergänzte Korner.

Die Basketball-Bundesliga BBL pausiert seit dem Ende des 22. Spieltags am 8. März. Wegen Terminkollisionen mit Europapokalterminen von vielen Mannschaften hat nicht ein Team bisher 22 Spiele absolviert, und insgesamt waren 34 Spieltage angesetzt. Danach sollten zudem die Playoffs starten, die im Mai den Meister ermitteln sollten. Viel Platz, um alles nach hinten zu verschieben, hat die BBL eigentlich nicht - besonders, wenn die Olympischen Spiele nicht verlegt werden, denn im Juni steht ein Olympiaqualifikationsturnier der deutschen Basketballer an.

Nun herrschen in manchen deutschen Bundesländern jedoch schon Ausgangssperren, die mindestens bis Ostern, also Mitte April gelten. An Spiele vor Zuschauern ist also nicht zu denken. Und Geisterspiele könnten sich die meisten Klubs nicht leisten, da ihre Budgets zu sehr von den Einnahmen aus den mindestens fünf ausstehenden Heimspielen abhängen. So begründete die BBL vor gut zwei Wochen jedenfalls ihre Entscheidung, die Saison zu unterbrechen. Ohne Ticket- und Gastronomieeinnahmen können die Hallenmieten und Spielergehälter nicht bezahlt werden.

Nun aber kommt noch ein weiteres Problem hinzu. Einigen Klubs laufen die Spieler weg. Am Sonntag meldete der ehemalige Serienmeister Baskets Bamberg, dass er im Zuge der Corona-Pandemie seine fünf amerikanischen Basketballer nach Hause fliegen lässt. Nach einem offiziellen Reisehinweis aus den USA seien sie auf die Vereinsverantwortlichen zugekommen und hätten darum gebeten, zu ihren Familien zurückkehren zu dürfen. »Diesem Wunsch haben wir selbstverständlich entsprochen, da auch wir nicht absehen können, ob es eventuell in einigen Tagen oder Wochen nicht mehr möglich sein wird, problemlos in die USA zu reisen«, berichtete Bambergs Sportdirektor Leo de Rycke.

Paris Lee, Kameron Taylor und Tre’ McLean sollen spätestens zur neuen Saison wieder zurückkehren. Doch Darion Atkins und Jordan Crawford verlassen den Verein mit ihrer Heimreise, denn ihre Verträge laufen nur bis zum regulären Saisonende.

Die Baskets aus Bonn haben mit Branden Frazier, Stephen Zimmerman, Geno Lawrence und Donald Sloan sogar vier Spieler dauerhaft gehen lassen. Die Verträge mit ihnen seien einvernehmlich aufgelöst worden, hieß es in einer Mitteilung. Mit den anderen Akteuren haben die Baskets mehrheitlich Kurzarbeit vereinbart. Man reagiere damit »auf die Null-Euro-Situation auf der Einnahmeseite, fortlaufende Hallenkosten und ungewisse Regressforderungen«, erklärten die Bonner.

Viele Vereine lassen also Spieler vor allem in die USA ziehen, um deren Gehälter einzusparen, so auch in Vechta, Gießen, Göttingen und Braunschweig. Mit weiteren Abgängen in der Liga ist zu rechnen. So sagte Martin Geissler, Geschäftsführer beim MBC aus Weißenfels der dpa: »Sollten wir keine Übereinkunft mit Spielern finden, dass sie ihrem Klub helfen wollen, wird es sehr, sehr schwer, die Saison zu überstehen.«

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