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Ringen mit Abstand

Europameister Frank Stäbler und seine Kollegen auf der Matte treffen die Einschränkungen im Zuge der Coronakrise besonders stark

  • Von Manuel Schwarz, Musberg
  • Lesedauer: 2 Min.
Frank Stäbler (l.) gewann im Februar noch EM-Gold gegen Iuri Lomadze.
Frank Stäbler (l.) gewann im Februar noch EM-Gold gegen Iuri Lomadze.

Ein Fünkchen Hoffnung hat Frank Stäbler noch. Vielleicht geschieht ja ein Wunder - und die Olympischen Spiele finden wie geplant im Sommer in Tokio statt. »So schnell will ich meinen Traum nicht aufgeben«, sagte der beste deutsche Ringer, der im August in Japan seine große Karriere beenden wollte. Dass Olympia wegen der Coronakrise aber verschoben wird, wird immer wahrscheinlicher. Mit dem Gedanken freundet sich auch Stäbler langsam an. Sicher ist schon jetzt: Wie in kaum einer anderen Sportart sind die Ringer durch die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus im Training eingeschränkt.

So wenig zwischenmenschlichen Kontakt wie möglich haben, das ist die erste Forderung von Virologen, um die Epidemie zu bremsen. Wie sollen die Mattenkämpfer dann trainieren? Bei einem Kampf oder Sparring drücken die Athleten fast sechs Minuten permanent mit Kopf und Oberkörper gegeneinander. Es wird geschwitzt - meist eng umschlungen. »Natürlich besteht dabei eine große Gefahr der Tröpfcheninfektion«, erläuterte Klaus Johann, Chefmediziner im Deutschen Ringer-Bund. Mit einer Schutzmaske für Mund und Nase zu ringen, ist jedoch unpraktikabel.

Deshalb hat der DRB reagiert und seine Athleten angewiesen, vorläufig kein Sparring mit anderen Ringern zu machen. »Wir sind dazu übergegangen, nur noch im athletischen Bereich zu trainieren, also Laufen, Radfahren, Krafttraining zu betreiben«, erläuterte Sportdirektor Jannis Zamanduridis. Weil Hallen und Stützpunkte geschlossen wurden, müssen Athleten zudem daheim trainieren.

Andere Kontaktsportarten treffen die Maßnahmen derzeit etwas weniger stark als die Ringer: Bei den deutschen Judokas steht nach einem Konditionsblock aktuell eher aktive Erholung auf dem Trainingsplan, erst Anfang April sollte wieder im Kampf trainiert werden. Auch bei den Boxern steht derzeit kein Sparring an.

Während die deutschen Ringer häuslich isoliert arbeiten, könnten Athleten anderorts gemeinsam trainieren, befürchtet man im DRB. In Ländern wie der Türkei oder osteuropäischen und asiatischen Nationen sei es vorstellbar, dass Sportler etwa auf Armeegeländen unter Quarantänebedingungen normal trainieren, glaubt Sportdirektor Zamanduridis. Zudem finden in der Krise weltweit weniger Dopingtests statt.

Eine neue Terminierung von Olympia scheint also allein schon aus Gründen der Chancengleichheit notwendig. »Wenn sich die Lage zuspitzt oder genauso schlimm bleibt, dann würde ich für eine Verschiebung stimmen«, sagte selbst Stäbler. Auch wenn das für ihn möglicherweise »verheerende« Folgen habe: Sollten die Spiele 2021 oder erst 2022 angesetzt werden, ist offen, ob er sich erneut qualifizieren muss - und ob das dann überhaupt noch mal klappt. dpa/nd

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