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Auch Helden müssen essen

Ein Berliner Restaurant versorgt Pfleger und Ärzte kostenlos mit Gerichten

  • Von Jonas Wagner
  • Lesedauer: 3 Min.
Coronavirus: Auch Helden müssen essen

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Das dachten sich auch Ilona Scholl und Maximilian Strohe, die das Kreuzberger Restaurant »Tulus Lotrek« betreiben. Die Gastronom*innen haben die Kampagne »Kochen für Helden« ins Leben gerufen, um in der Coronakrise denen zu helfen, die an vorderster Front gegen das Virus kämpfen: Ärzt*innen, Pflegepersonal, Mitarbeiter*innen in Apotheken und Supermärkten.

»Das war eine ziemliche Ärmel-hoch-Hauruck-Aktion«, erzählt Ilona Scholl, wie vor etwa einer Woche alles begann. Um Gäste und Personal zu schützen, war das Restaurant den staatlichen Restriktionen zuvorgekommen: »Wir haben sehr früh entschieden: Wir machen zu«, so Scholl zu »nd«. Doch mit der Untätigkeit kamen Sorgen und Ängste. »Also haben wir gesagt: Das Kühlhaus ist noch voll, lass uns mal was machen.« Und gemacht wurde erst mal: Suppe. Für diejenigen, die die Gesellschaft gerade am Laufen halten. Sie habe bei Krankenhäusern und Polizeistationen angerufen, erzählt Scholl, und gefragt: »Wie sieht es aus, könnt ihr was gebrauchen?«

Richtig ins Rollen gekommen sei der Stein dann mit einem Facebook-Eintrag. »Den haben innerhalb kürzester Zeit fast 500 Leute geteilt«, so die Gastronomin. Und nicht nur das: Viele Menschen meldeten sich und boten Hilfe an, andere Restaurants sprangen auf den Zug auf, Großhändler*innen spendeten Lebensmittel. »So ist es dann gewachsen«, sagt Scholl. Aktuell liefert das kleine Kreuzberger Lokal etwa 400 Portionen am Tag aus, weitere 300 werden abgeholt. Zubereitet werden sie von zwei Köch*innen, die mit ausreichendem Sicherheitsabstand zueinander und unter Einhaltung aller Hygieneregeln Eintöpfe, Suppen und Currys zubereiten. »Es sind immer Schöpfgerichte«, erklärt Scholl, denn diese ließen sich einfach transportieren und aufteilen. Und gerade medizinisches Personal hätte oft nicht viel Zeit zum Essen: »Es muss ja auch alles schnell gehen.«

Oft bestellen einzelne Pfleger*innen Essen für die ganze Station, erzählt Scholl. Doch inzwischen arbeiten sie und ihre Mitstreiter*innen auch mit Krankenhäusern zusammen, die sie regelmäßig beliefern. Für die Empfänger*innen ist das alles kostenlos. Die verwendeten Lebensmittel seien gespendet und das gesamte Team arbeite ehrenamtlich. Dazu zählen neben den Köch*innen und zwei Fahrer*innen auch Scholl und Strohe, die sich vor allem um Öffentlichkeitsarbeit und Warenspenden kümmern. Dazu kämen zwei Koordinator*innen, die im Homeoffice Restaurants und Empfänger zusammen bringen.

Das Netzwerk wachse dabei rasant, berichtet Scholl. »Ich glaube, das kann man inzwischen Graswurzelbewegung nennen.« Denn immer mehr Gastronom*innen wollten sich an der Aktion beteiligen. Um die Kosten – etwa für Benzin, Logistik sowie Gas und Strom – zu decken, die trotz des ehrenamtlichen Engagements aller Beteiligten anfallen, läuft nun eine Crowdfunding-Kampagne für das Restaurant. In kurzer Zeit sind dort über 15.000 Euro zusammengekommen. Großer Zuspruch also, der zeigt, dass die Gesellschaft in der Coronakrise zusammenhält.

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