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Abiprüfungen trotz Corona

Länderminister: Abschluss der Schule nicht ohne Klausuren und Gespräche

Die Föderalismusdebatte in Corona-Zeiten ist um ein Thema reicher. Der von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag unterbreitete Vorschlag, in diesem Jahr auf Prüfungsarbeiten für die Schulabschlüsse zu verzichten und ein »Anerkennungsabitur« zu verleihen, hat heftigen Gegenwind hervorgerufen. Nach einer Schaltkonferenz aller Kultusminister der Länder wurde die Idee beerdigt. Demnach sollen trotz der Pandemie-Restriktionen »zum heutigen Zeitpunkt« alle Abschlussprüfungen stattfinden. Für die Schülerinnen und Schüler sei es »besonders wichtig, dass sie jetzt Planungssicherheit haben, gleichzeitig steht ihre Gesundheit für uns an erster Stelle«, erklärte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), nach der Konferenz.

Weiter bekräftigte Hubig, die Schulministerin in Rheinland-Pfalz ist, dass die Länder die Abiturabschlüsse gegenseitig anerkennen werden. Einzelne Bundesländer hatten versprochen, den in Ungewissheit harrenden Schülern, Eltern und Lehrkräften bis zum Freitag eine Entscheidung vorzulegen.

Die Länder mit bereits Ende Juni beginnenden Sommerferien, zu denen auch Schleswig-Holstein gehört, sind mehr unter Druck als etwa Baden-Württemberg und Bayern, die ihren Ferienstart fünf Wochen später haben - und die Prüfungen trotzdem bereits verschoben haben. Der Vorstoß von Prien kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, da in Hessen und Rheinland-Pfalz die Abiprüfungen bereits begonnen haben.

Kritik musste sich die Kieler Ministerin aber vor allem aus Sachsen, Bayern und Hamburg anhören. Dort störte man sich an ihrem nicht abgestimmten Vorgehen. Auch beim CDU-Nachwuchs stieß der Vorstoß Priens auf Ablehnung, Abiturnoten auf Basis der bisher erbrachten Leistungen zu erteilen. In einer Stellungnahme der Jungen Union hieß es: »Das würde zu einem Zwei-Klassen-Abschluss führen und die Qualität und Aussagekraft der Abschlüsse in Frage stellen.«

Die Gewerkschaft GEW signalisierte hingegen Unterstützung für Priens Idee. Rückendeckung bekam sie zudem von den Kieler Koalitionspartnern Grüne und FDP. Auch die Hamburger Linkspartei schlug sich auf Priens Seite.

Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Susanne Lin-Klitzing sieht momentan noch einen Zeitpuffer für die Abiturprüfungen bis in den Juni hinein. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, mahnte vor der Telefonkonferenz der Schulminister eine einheitliche Regelung an. Anderenfalls gebe es ein Gerechtigkeitsproblem. Auch der Bundeselternrat appellierte an die Bildungspolitiker, eine einheitliche Lösung zu finden.

Zwei Schüler aus der Risikogruppe der Asthmatiker haben unterdessen auf dem Portal »change.org« eine Petition namens »Abi Umdenken« gestartet, die rasanten Zuspruch erfährt.

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