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USA nun Epizentrum der Corona-Pandemie

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten steigt schnell, auch weil es keine einheitliche Politik dagegen gibt

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Coronavirus: USA nun Epizentrum der Corona-Pandemie

»Wir sind nur zuerst dran. Was in New York passiert, wird bald im ganzen Land passieren. Die Zahlen steigen schneller, als wir dachten, der Höhepunkt kommt früher« - das ist die düstere Beschreibung der Coronavirus-Pandemie von Andrew Cuomo. Er werde »diesen Bundesstaat auf den Kopf stellen, um die nötige Anzahl der Krankenhausbetten aufzutreiben«, erklärte der Gouverneur von New York. 53.000 solcher Betten hat der Staat, erwartet werden aber 140.000 Krankenhausfälle.

Cuomo hat bereits mit Hilfe der US-Armee vier Feldlazarette aufstellen lassen, holt medizinisches Fachpersonal aus dem Ruhestand und bittet die Regierung zunehmend wütend um Hilfe. »Wir brauchen nicht 400, sondern 30.000 Beatmungsgeräte«, sagt der Gouverneur, dem linke Kritiker vorwerfen vorher jahrelang selber das Gesundheitssystem des Staates mit einem Sparkurs beschädigt zu haben. Mittwochabend gab es 33.000 bestätigte Coronavirus-Erkrankungen in New York, landesweit waren es zum gleichen Zeitpunkt rund 69.000.

Laut Weltgesundheitsorganisation sind die USA nun das Epizentrum der Pandemie. Weil in den USA wegen kaum vorhandener Tests lange Zeit wenig kontrolliert wurde, steigen nun die Zahlen. Doch auch fehlender politischer Wille sowohl bei Präsident Donald Trump als auch bei republikanischen Gouverneuren bei Ausgangsbeschränkungen oder anderen Gegenmaßnahmen haben für eine tagelange Weiterverbreitung des Virus gesorgt. Deswegen werden die Vereinigten Staaten in Kürze vermutlich Italien und auch das weit bevölkerungsreichere China bei der Zahl der Infizierten überholen.

Zumindest politisch gibt es Fortschritte. Am Mittwoch verkündeten Republikaner und Demokraten im US-Senat, man habe sich auf ein zwei Billionen US-Dollar schweres Hilfspaket gegen das Coronavirus geeinigt. Kernpunkte sind Kredite für Großunternehmen im Umfang von 500 Milliarden Dollar, über 360 Milliarden an Krediten für Kleinunternehmer sowie 150 Milliarden für das Gesundheitssystem. Außerdem gibt es eine Einmal-Direktgeldzahlung in Höhe von 500 Dollar pro Kind und 1200 für Erwachsene, deren Jahreseinkommen unter 75.000 Dollar liegt, und eine wöchentliche Zahlung von 600 Dollar Arbeitslosengeld für vier Monate durch die Regierung zusätzlich zu den Zahlungen der Bundesstaaten. Die liegen je nach Staat zwischen 300 und 600 bis 700 Dollar pro Woche. Damit sollten Durchschnittsverdiener in etwa in voller höhe ihres vorherigen Gehaltes unterstützt werden, wenn sie ihren Job verlieren.

Nun müssen Präsident Trump und die Demokraten im US-Kongress zustimmen. Der linke Parteiflügel kritisiert den Senatskompromiss, der nun parlamentarische Kontrolle über die Zahlungen vorsieht, als zu lasch. Er wollte eigentlich zahlreiche weitere sozialstaatliche Maßnahmen an das Gesetzespaket anheften, wie einen 15-Dollar-Mindestlohn für Unternehmen, die Staatshilfen beanspruchen. Doch ob die linken Demokraten deswegen gegen das Gesetz stimmen werden, ist unklar. Zuvor hatten 500 Aktivistengruppen, darunter etwa das Indivisible-Netzwerk, einen gerechten »People’s Bailout« zugunsten der Beschäftigten und Menschen im Land gefordert. »Wir weigern uns zu sterben, um die Wall Street zu retten«, erklärte die Gruppe »People’s Action«.

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