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In Quarantäne mit Billigradiator

Rund 100 Kreuzberger Mieter der Degewo müssen seit Tagen frieren und ohne Warmwasser auskommen

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

»Das macht uns richtig sauer«, sagt Anna Schmidt. Schmidt ist eine von rund 100 Mieterinnen und Mietern aus sechs Wohnhäusern an der Kreuzberger Naunynstraße, die seit Sonnabend immer wieder und mitunter ganze Tage ohne Warmwasser und Heizung auskommen müssen.

Die Heizungsanlagen in den Häusern des landeseigenen Wohnungsunternehmens Degewo streiken - und das nicht zum ersten Mal, so Schmidt. »Seit November 2016 geht das jetzt schon so«, sagt die Lehrerin einer Sekundarschule, die eigentlich anders heißt, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte.

»Da sitzt man dann am Schreibtisch in Skiunterwäsche, mit Mütze und Handschuhen und versucht, irgendwie halbwegs konzentriert zu arbeiten, neben mir ein Billigradiator, den mir die Degewo hat zukommen lassen.« Schmidt befand sich die letzten 14 Tage in häuslicher Quarantäne, da sie Kontakt zu einem mit Sars-CoV-2 Infizierten hatte. Aber auch alle anderen Mieter*innen sind schließlich aufgrund der Coronakrise behördlicherseits dazu verdonnert, zu Hause zu bleiben. »Viele Nachbarn von mir sind bei den vorherigen Heizungs- und Warmwasserausfällen zum Duschen ins Fitnessstudio gegangen. Aber das fällt ja jetzt auch weg.«

Von der Degewo fühlen sich die betroffenen Mieter nicht ernst genommen. Auf einer Versammlung vor wenigen Tagen hätten fast alle Anwesenden übereinstimmend davon berichtet, dass ihnen seitens der Degewo mitgeteilt worden sei, dass das Problem nur deren jeweilige Wohnung betreffe, ärgert sich Schmidt. »Alles was von der Degewo sonst noch kam, war die Empfehlung, das Wasser doch einfach mit einem Kocher zu erhitzen.«

Schmidt berichtet, dass sie jeden Tag mehrfach bei der Degewo und dem Hausmeister anrufe. Stets heiße es dann, dass eine Firma beauftragt worden sei und der Schaden schleunigst behoben werde. »Doch dann geschieht wieder nur nichts. Und weil das so häufig passiert, ist man irgendwann sehr gereizt.«

Dabei habe das jahrzehntelang allenfalls unzulänglich gewartete Heizungs- und Warmwassersystem in der aktuellen Heizperiode geradezu gut durchgehalten. Im November blieb es zehn Tage kalt in den Wohnungen, nun kommen noch einmal die Tage seit dem letzten Wochenende hinzu. »In der vorangegangenen Heizperiode habe ich ganze 48 Schadenstage gezählt«, so Schmidt.

Der Gebäudekomplex im Kreuzberger Mariannenkiez, zu dem auch Schmidts Haus gehört, ist in den 1980er Jahren im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet worden und umfasst rund 1000 Wohnungen. Der Sprecher der Degewo, Paul-Gerhard Lichtenthäler, bestätigt »nd«, dass die Häuser sehr »heruntergewirtschaftet« waren, als man den Block 2007 übernommen hatte. »Und einen Oldtimer muss man leider häufiger reparieren.«

Zu dem seit fast einer Woche andauernden Heizungsausfall in den betroffenen Häusern in der Naunynstraße sagt Lichtenthäler, dass seit Dienstag Handwerker »unter Hochdruck« daran arbeiten, die Anlage wieder in Gang zu bringen. Sie werde noch im Laufe des Donnerstags wieder funktionieren. Bis Jahresende werde sich zumindest dieses Problem ohnehin erübrigen, so der Sprecher. »Bis dahin ist der ganze Block an die Fernwärme angeschlossen.«

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