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Mies bezahlter Test-Stress

Im größten Laborbetrieb Berlins arbeiten Hunderte Beschäftigte ohne Tarifvertrag

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

»Es kann nicht sein, dass diejenigen, die in Zeiten der Coronakrise in den Labors für uns Berlinerinnen und Berliner bis zum Anschlag arbeiten, dafür mit Dumpinglöhnen abgespeist werden«, empört sich der Linke-Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser gegenüber »nd«.
Meiser geht es vor allem um die Beschäftigten der Labor Berlin GmbH, dem größten der Stadt. Es ist ein gemeinsames Tochterunternehmen der landeseigenen Kliniken Charité und Vivantes. Die hier tätigen Arzthelfer*innen, Laborant*innen und Chemisch-Technischen Assistent*innen sind diejenigen, die in diesen Wochen Zehntausende Abstriche von Coronavirus-Abklärungsstellen und Ärzt*innen erhalten, um sie auf das Coronavirus SARS-CoV-2 zu testen.

Rund 3000 solcher Tests könnten die Berliner Labore gegenwärtig pro Tag durchführen, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) in der vergangenen Woche im Gesundheitsausschuss. Die Nachfrage nach Tests liegt aber weitaus höher.

Testen, testen, testen, noch dazu schneller und effizienter – die aktuelle Devise stellt die Labormitarbeiter*innen vor große Herausforderungen. Auch ohne Coronavirus ist das Labor Berlin nach eigener Angabe für die Labordiagnostik von 85 Prozent aller Berliner Krankenhausbetten zuständig. 65 Millionen Analysen werden demnach jährlich durchgeführt.
Gedankt wird den Beschäftigten ihr Einsatz allerdings in dieser Krisenzeit genauso wenig wie in den vergangenen knapp zehn Jahren zuvor. Seinerzeit wurde die Labortätigkeit – wie viele andere Klinikbereiche auch – in ein Tochterunternehmen ausgelagert.

Dieser Umstand bedeutet für 350 Beschäftigte vor allem deutlich schlechtere Löhne. »300 bis 500 Euro weniger pro Monat bekommen die Beschäftigten gegenüber ihren Kollegen, die mit Tarifvertrag angestellt sind«, sagt die zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Janine Balder. Neueingestellte bekämen zwar mittlerweile mehr Geld, nicht zuletzt weil der gewerkschaftliche Druck über Jahre aufrechterhalten wurde, so Balder. Aber jährliche Sonderzahlungen oder die Möglichkeit, unbezahlten Sonderurlaub zu erhalten: Fehlanzeige. Immerhin 30 Tage Urlaub seien mittlerweile genehmigt.

Man sehe anlässlich der aktuellen Krise noch deutlicher, unter welch schlechten Bedingungen viele outgesourcte Beschäftigte arbeiten müssten, erklärt die Gewerkschafterin: »Reinigung, Labore, Sterilisation: Das sind alles systemrelevante Berufe. Die länger Beschäftigten werden hier mit nem Appel und nem Ei abgespeist«, kritisiert sie.
Verdi vergleicht seit Jahren die Bedingungen der Labor GmbH mit dem Haustarifvertrag der Charité, der dem bei Vivantes sehr ähnlich ist. Ohne Tarif fallen die Löhne in allen Entgeltgruppen und Stufen um knapp 9 bis fast 31 Prozent niedriger aus.

Der Trend, die Tochtergesellschaften aufzulösen und die Beschäftigten in die Muttergesellschaften zurückzuführen, hat die Labore noch nicht erreicht. Tarifverhandlungen waren eigentlich für nach Ostern geplant und fallen nun aus. »Nach der Krise dürfen all diejenigen, die jetzt als systemrelevant erkannt werden, nicht wieder vergessen werden«, fordert Janine Balder.

Pascal Meiser findet, der Senat muss eine Gesellschafteranweisung verfügen, sollten Vivantes und Charité es weiterhin verweigern, mit der zuständigen Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag zur Angleichung der Löhne an das Tarifniveau in den Muttergesellschaften abzuschließen.

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