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Rentenidee: Mehr Geld von Kinderlosen

Unionsabgeordnete wollen Lebensarbeitszeit strecken

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.

Jüngere Bundestagsabgeordnete der Union preschen immer wieder gern mit Vorschlägen in die Öffentlichkeit, älteren Semestern vermeintliche Privilegien zu beschneiden. Unter dem Logo »Generationengerechtigkeit« machte manch späterer Prominente auf diese Weise früh auf sich aufmerksam. Auch heute hat die sogenannte Junge Gruppe in der Unionsfraktion hierzu Ideen. Sie denkt an einen höheren Rentenbeitrag für Kinderlose. Menschen ohne Kinder sollten künftig »einen Beitragszuschlag in Höhe von einem Prozent« in die Rentenkasse einzahlen, so heißt es in einem Papier, aus dem die »Welt« am Montag zitierte. Kinderreiche Familien leisteten bereits »einen erheblichen Beitrag zum umlagefinanzierten Rentensystem«, sagte der Vorsitzende der Gruppe, Mark Hauptmann (CDU), der Zeitung. »Das tun Kinderlose eben nicht.«

Paare mit zwei Kindern zahlten nach Vorstellung der Abgeordneten künftig den normalen Beitragssatz, ab drei Kindern erhielte jeder Elternteil einen Abschlag von 0,5 Prozent. Was auf den ersten Blick beinahe sozial klingt - bestraft es nicht Menschen, erst recht, wenn sie ungewollt kinderlos sind? Kinderlose seien überdies wesentlich häufiger in Vollzeit beschäftigt und zahlten darum schon heute häufig höhere Rentenbeiträge und mehr Steuern, macht Matthias Birkwald geltend, der gegenüber »nd« die Vorschläge der jungen Abgeordneten »unausgegoren« nennt. Der rentenpolitische Sprecher der Linksfraktion hält den umgekehrten Weg für richtig: »Es darf nicht darum gehen, Kinderlose zu diskriminieren, sondern die Erziehungsleistung von Menschen mit Kindern muss in der Rente angemessen berücksichtigt werden.« Auch der pauschalen These, dass die Menschen immer älter würden, widerspricht Birkwald: »Die Wahrheit ist: 20 Prozent der Menschen in Deutschland versterben vor ihrem 70. Geburtstag. Und Menschen mit geringem Einkommen sterben deutlich eher als Menschen mit hohem.«

Vor wenigen Tagen erst hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission nach zweijähriger Arbeit einen Bericht vorgelegt, der von allen Seiten als Eingeständnis ihres Scheiterns interpretiert wurde. Strittige Fragen wurden darin in die Zukunft sowie in andere Gremien vertagt - etwa die des Renteneintrittsalters. Dies nennen auch die jungen Unionisten enttäuschend und schlagen kurzerhand vor, das gesetzliche Renteneintrittsalter gänzlich abzuschaffen. Stattdessen wollen sie ab 2030 eine verbindliche Lebensarbeitszeit - von mindestens 47 Jahren - einführen und diese in dynamischer Steigerung mit der durchschnittlichen Lebenszeit wachsen lassen. Die »Welt« zitiert aus dem Papier, wie die Abgeordneten sich das vorstellen: »Das heißt, wenn die Lebenserwartung in Deutschland um ein Jahr steigt, erhöht sich die Beitragszeit um neun Monate.« Mit Agenturen

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