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Wolken essen

Personalie

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.

So beginnen die großen Geschichten: »Als ich eines Morgens die Augen aufmachte, regnete es draußen. ›Steh auf! Es regnet.‹ Ich weckte meine kleine Schwester und nahm sie mit nach draußen. Lange, wirklich lange schauten wir in den Regenhimmel. Wir ahnten, dass heute etwas ganz Besonderes passieren würde. ›Nanu, was ist das?‹ Eine kleine Wolke hatte sich in den Ästen verfangen. Die kleine Wolke war ganz, ganz leicht. Vorsichtig sammelten wir sie auf und trugen sie zu Mama.« Und was macht die damit? Sie legt die Wolke in eine Schüssel, gibt Milch dazu und Hefe und Salz und Zucker, und dann formt sie daraus Brötchen, die sie backt.

Wer die isst, kann fliegen - aber das kommt erst später heraus, in der Geschichte »Wolkenbrot« von Baek Hee Na. Es war ihr erstes Kinderbuch und erschien 2004 in ihrem Heimatland Südkorea, auf Deutsch erstmals 2009. Im vergangenen Sommer wurde es vom Verlag Mixtvision neu aufgelegt.

Man könnte denken, auch dieses Buch kann zaubern oder fliegen. Erstens handelt es von einer Katzenfamilie, die ganz normale Kleidung trägt. Zweitens hat Baek ihre Figuren aus Pappe ausgeschnitten, bemalt und mit verschiedenen Stoffen angezogen. Drittens hat sie diese Katzen dann fotografieren lassen (von Kim Hyang Soo) und viertens daraus ein sehr schönes Kinderbuch für Drei- bis Fünfjährige gemacht. Bislang kannte kaum jemand in Europa sie, aber fünftens ist sie jetzt weltberühmt: Denn am Dienstag bekam sie den Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis, die wichtigste Auszeichnung für Kinderliteratur der Welt, dotiert mit einem Preisgeld von fünf Millionen schwedischen Kronen (rund 455 000 Euro).

Baek, Jahrgang 1971, zählt in Südkorea zu den berühmtesten Bilderbuch-Künstlerinnen. Sie studierte Pädagogik und produzierte zunächst CD-Roms für Kinder. Bislang veröffentlichte sie 13 Bilderbücher. »Ihre Arbeit ist eine Tür zum Wunderbaren: sinnlich, scharf und schwindelerregend«, sagte die Jury-Vorsitzende Boel Westin bei der Bekanntgabe des Preises 2020 in der früheren Wohnung von Lindgren in Stockholm. Das Tolle ist: Das stimmt sogar!

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