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Angst in Guatemala

USA schieben trotz Coronavirus weiter ab

808 Guatemaltek*innen sind laut der guatemaltekischen Migrationsbehörden seit der Verkündung des Ausnahmezustands am 12. März von den USA abgeschoben worden. Sie sind über den Flughafen La Aurora eingereist. Gleich mehrere der Zwangsabgeschobenen trafen mit leichtem Fieber ein. Zuletzt drei Kinder, die am Montag in einer der beiden Maschinen mit insgesamt 120 Passagieren saßen, die aus den USA eintrafen. Noch steht das Testergebnis der drei Kinder aus, aber die Kritik an der Abschiebepraxis aus den USA, aber auch Mexiko wird in Guatemala lauter.

»Wie kann es sein, dass Leute abgeschoben werden, die den Virus tragen könnten«, moniert Juan José Hurtado, Direktor der Hilfsorganisation Pop Noj und Dozent an der Universität Rafael Landívar. Eine Einschätzung, die spätestens seit dem vergangenen Sonntag öfter zu hören ist. Da wurde ein abgeschobener Guatemalteke positiv getestet - zwei Tage nach seiner Ankunft aus den USA. Gemeinsam mit 41 weiteren Personen war er aus Mesa in Arizona abgeschoben worden und hatte sich nach dem Auftreten erster Symptome ins Krankenhaus Villa Nueva am Stadtrand von Guatemala-Stadt begeben. Es ist der erste offizielle Fall, in dem nachgewiesen wurde, dass eine aus den USA abgeschobene Person das Coronavirus eingeschleppt hat.

In Guatemala geht schon länger die Angst um, dass das Virus über die Abschiebeflüge aus den USA, aber auch mit Bussen aus Mexiko eingeschleppt werden könnte. Bereits am 17. März hatte die guatemaltekische Regierung den Flughafen von Guatemala-Stadt gesperrt, um nach zwei Verdachtsfällen dieses Risiko auszuschließen. »Auf Druck der USA hatte das aber nur zwei Tage Bestand«, kritisiert der Migrationsexperte Danilo Rivera. Er bezeichnet die Abschiebepraxis als »zutiefst inhuman« sowie als gesundheitspolitisches Risiko. Dieses Risiko nimmt zu, denn es häufen sich die Fälle von positiv getesteten Mitarbeiter*innen der US-Abschiebebehörde ICE und die Infektionsfälle in den Abschiebegefängnissen. Dort herrschen laut Berichten von Abgeschobenen mangelhafte sanitäre Verhältnisse.

Die Menschenrechtsorganisation WOLA hat eine Petition gestartet, um die Abschiebeflüge einzustellen.

»Die Abgeschobenen stellen die ohnehin schwachen Gesundheitseinrichtungen vor zusätzliche Aufgaben und das Risiko, dass das Coronavirus exportiert wird, steigt«, so WOLA-Mitarbeiterin Daniella Burgi-Palomino gegenüber »nd«. Da die Maschinen, die zur Abschiebung gechartert werden, auf dem Rückweg auch US-Amerikaner von Guatemala, teilweise auch von El Salvador oder Honduras mit in die USA nehmen, kann das Virus theoretisch auch mit zurückfliegen. Das Risiko ist angesichts niedriger Infektionszahlen, in Guatemala wurden erst 38 Menschen positiv getestet, zwar noch gering, aber die Dunkelziffer ist aufgrund der wenigen durchgeführten Tests relativ hoch.

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