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Durchsuchungen bei Nazis mit Terror-Connection

Die »Bruderschaft Deutschland« steht in Nordrhein-Westfalen im Visier der Ermittler

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Seit einigen Jahren treiben auch in Nordrhein-Westfalen extrem rechte »Bürgerwehren« ihr Unwesen. Sie sind ein Überbleibsel der »Hooligans gegen Salafisten« im Jahr 2015 und setzen sich aus Rockern, Türstehern und »klassischen« Neonazis zusammen. Am sichtbarsten sind ihre Auftritte bei den wöchentlichen Aufmärschen im Essener Stadtteil Steele. Ähnliche Aufmärsche gab es über Monate auch in Herne im nördlichen Ruhrgebiet. Oft dabei ist die »Bruderschaft Deutschland« aus Düsseldorf. Mitglieder der »Bruderschaft«, unter anderem ihr Anführer Ralf Nieland, waren am Mittwoch das Ziel von Hausdurchsuchungen.

In einem Portrait der »Bruderschaft Deutschland« zeichnet die Rechercheplattform »Düsseldorf rechtsaußen« das Bild von einer gut vernetzten Gruppierung. Die »Bruderschaft« verfüge über Kontakte zu den neonazistischen Kleinstparteien »Die Rechte« und »Der Dritte Weg«, bei Demonstrationen traten ihre Mitglieder wiederholt gewalttätig auf, heißt es dort. In dem Beitrag aus dem Frühjahr 2019 ist über die Gruppe zu lesen, sie »vernetzt sich zunehmend mit vergleichbaren Gruppierungen und der organisierten Neonazi-Szene, pflegt ihre Kontakte in die Rocker-Szene, schlägt zu, wo sich hierfür Gelegenheit ergibt und vergrößert sich zunehmend«. Mittlerweile zähle der »Bruderschaft«-Führer Nieland, wie der WDR unter Berufung auf Ermittler berichtet, zu den »bundesweit wichtigen Führungsfiguren« der rechten Szene.

Dass Nieland und seine Kameraden über brisante Kontakte verfügen, machten die Terrorermittlungen gegen die sogenannte Gruppe S. Mitte Februar deutlich. Ein Mitglied ihres Kerns ist Leiter eines süddeutschen Ablegers der »Bruderschaft Deutschland«. Bei den Durchsuchungen, die sich gegen die »Gruppe S.« richteten, wurden mehrere Waffen, unter anderem selbstgebaute Handgranaten, eine »Slam Gun« und eine scharfe 9mm-Pistole gefunden.

Waffenbesitz war auch der Grund für die Durchsuchungen bei Nieland und seinen Kameraden in Neuss und Herne. Gefunden hat die Polizei Messer, Elektroschocker und eine »Substanz«, bei der es sich »mutmaßlich um Betäubungsmittel« handelt. Brisant: Mindestens einer der drei Neonazis ist im »Besitz waffenrechtlicher Erlaubnisse«. Bei ihm wurden »Verstöße« gegen die Aufbewahrungspflichten von Waffen und Munition festgestellt.

Nach dem Waffengesetz müssen Waffen und Munition getrennt voneinander in gesicherten Waffenschränken aufbewahrt werden. Der WDR berichtet, die Durchsuchungen bei den Mitgliedern der »Bruderschaft Deutschland« stünden in einem Zusammenhang mit den Terrorermittlungen gegen die »Gruppe S.«. Eine offizielle Bestätigung dazu gibt es von den Sicherheitsbehörden allerdings bisher nicht.

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