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Die kleinen Wunder

Ein lyrisches Science-Fiction-Kunstwerk: Die Serie »Tales from the Loop«

Streamingdienste wie Netflix, Sky und Amazon scheinen sich mit ihrem Angebot an Science-Fiction-Serien derzeit gegenseitig überbieten zu wollen. Die filmische Umsetzung des Genres für ein Massenpublikum geschieht dabei oft in grellen, schnell geschnittenen und actionreichen Bildern - Waffenfetischismus inklusive.

Die Serie »Tales from the Loop«, die es jetzt bei Amazon Prime zu sehen gibt, ist eine angenehme Ausnahme: In langsamen, mitunter dialogarmen Bildsequenzen, die manchmal an Filme von Ingmar Bergmann erinnern, wird die Geschichte einer Kleinstadt im ländlichen Ohio der 1980er Jahre erzählt. Viele Kleinstädter arbeiten in einem unterirdischen Forschungslabor, dem titelgebenden Loop. Dieser Teilchenbeschleuniger, in dessen Zentrum eine eigenartige riesige Kugel aus schwarzem Stein schwebt, und die dazugehörigen Laboranlagen sind wie ein Tor in eine andere Welt oder Dimension. Aber auch die Realität dieser Kleinstadt ist anders als die unsere: Es gibt Technologie, die riesige Erntemaschinen auf den Feldern schweben lässt, gigantische Kühltürme ragen am Horizont in den Himmel, mehrere Meter große Roboter marschieren durch die Pampa, Lichtanlagen illuminieren mitunter kilometerweit den nächtlichen Himmel. Eingebettet ist diese futuristische Technologie aber in eine 80er-Jahre-Welt mit altbackenen Computerbildschirmen, Vintage-Inneneinrichtung und Autos aus der damaligen Zeit.

Die Vorlage für die Serie stammt von dem schwedischen Künstler Simon Stalenhag. Er mischt in seinen fotorealistisch anmutenden, digital erstellten aquarellähnlichen Bildern Szenen aus dem ländlichen Schweden mit retrofuturistischen Maschinen, Robotern und verlassenen Industrieanlagen. Einige seiner in einem Bildband, ebenfalls mit dem Titel »Tales from the Loop«, herausgegebenen Werke sind in der Serie als Szenenhintergrund zu sehen.

Vor allem erzählen die Macher aber eine eigene, unabhängige, von Stalenhags Bildern eher ästhetisch inspirierte Geschichte. Im Zentrum steht eine junge toughe Wissenschaftlerin, deren Vater den Loop und das dazugehörige Labor aufgebaut hat und die mit Mann und Söhnen in der beschaulichen Kleinstadt lebt. Das geheimnisvolle Labor, in dem Grenzbereiche der Physik ausgelotet werden, macht Dinge möglich, die eigentlich nicht machbar sind, wie der Großvater einmal seinem faszinierten Enkel erklärt. Auch die Geschichten der anderen Kleinstadtbewohner werden im Stil einer Anthologie erzählt: So reist man immer wieder durch die Zeit, Menschen treffen in anderen Dimensionen auf sich selbst, und Gebäude zerlegen sich auch mal in ihre Einzelteile und schweben in den Himmel.

»Tales from the Loop« inszeniert Technologie fast schon als magisches Erlebnis - wenn etwa Schneeflocken vom Boden aus ganz langsam nach oben steigen. Denn immer wieder erzeugt der Loop Risse im physikalischen Raum-Zeit-Gefüge und spielt mit den sonst üblichen Regeln der Naturgesetze. Die Menschen in der Serie, und das sind vor allem auch Kinder und Jugendliche, stehen vor diesen Rätseln, staunen und begeistern sich für die kleinen Wunder, die geschehen. Auch wenn die Serie mit vielen düsteren und dabei ungemein stimmungsvollen Bildern aufwartet und mitunter enorme Spannung erzeugt, gibt es hier keinerlei Horror, wie das sonst in der zeitgenössischen Science-Fiction immer mehr eingesetzt wird.

»Tales from the Loop« ist fast wie ein lyrisches Science-Fiction-Kunstwerk, das actionverwöhnten Zuschauern wahrscheinlich viel zu langsam daherkommt. Aber es lohnt, sich auf diese Geschichten vom Loop einzulassen und einmal ein bisschen anders in die Welt der Science-Fiction einzutauchen.

»Tales from the Loop«, ab 3. April auf Amazon Prime.

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