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Quotenforderung stößt auf wenig Gegenliebe

Musikmanager fordern mehr Radiosendezeit für Künstler aus Deutschland

  • Von Ulrike Kumpe
  • Lesedauer: 4 Min.

Alle Jahre wieder beginnt jemand die Debatte um eine Quote für deutsche Künstler im Radio neu. Aktuell fordern deutsche Musikmanager via Facebook in einem Manifest mehr Radiosendezeit für Künstler aus Deutschland. Was sie dabei allerdings völlig überraschte, war, dass ihnen Deutschtümelei und Nationalismus vorgeworfen wird. Den Anlass dafür bot allerdings das Manifest selbst. So heißt es gleich im ersten Satz: »Deutsche Künstlermanager für mehr heimische Künstler im Radio!«

Die Initiative tritt dabei für eine Forderung ein, die in Deutschland schon seit vielen Jahren immer wieder mal debattiert wird: 50 Prozent des Musikanteils in den Radioprogrammen sollte von in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz lebenden und arbeitenden Künstlern kommen. Man fordere eine verbindliche 50-Prozent-Quote. Solche Quoten-Regelungen wurden seit Mitte der neunziger Jahre immer wieder gefordert.

Dass sie als deutsch-national interpretiert werden könnten, entsetzt die Initiatoren. Ihnen gehe es bei der Forderung vor allem um Umverteilung. Denn im Radio gespielt zu werden, bedeute Einkommen zu erzielen. Chris Klimek, Artistmanager und Mitinitiator und des Aufrufs betont gegenüber »nd«: »Wir sind weder volkstümelnd, noch wollen wir nationalistisch interpretiert werden.« Sie seien eine Interessengruppe, die aus Personen bestehe, die alle politisch zwischen Mitte oder ganz weit links einzuordnen seien. Ihnen nationalistische Forderungen anzudichten sei absurd.

Für sie gehe es um den Support einer lokalen Musikszene. Danny Bokelmann, Deutschrap-Netzwerker und ebenfalls Mitinitiator weißt außerdem darauf hin, dass die Manager, die sich zusammengetan haben, im deutschsprachigen Raum wirken und nur dort auch in der Lage sind, für die Künstler, die sie vertreten, auf das Radio einzuwirken. Was sie wollten, sei einen Katalysator zur Verfügung zu stellen, der nachhaltiger wirkt als Einmalzahlungen. Der in der Lage sei auch in einer kommenden Krise mehr Künstlern ein Einkommen zu sicher, erläutert Klimek. »Von einer Deutsch-Quote im Sinne von einheitlicher Musikfarbe und Sprache ist hier in keinster Weise die Rede!«

Konzerte seien die Haupteinnahmequelle gerade für Newcomer, sagte Mitinitiator Marc Feldmann am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Wegen der Corona-Krise falle das alles derzeit aus. Gestandene Bands kämen besser über die Zeit hinweg, während sich junge Künstler erst noch einen Karriereweg ebnen müssten.

In dem Aufruf heißt es über die Corona-Zeit: »Traditionell bedeutet der Frühling für viele unserer Stars und Talente - Zeit zu touren. Das sind nicht nur Einnahmen, die jetzt wegbrechen, sondern auch Reichweite und News, über die es sich zu berichten lohnt. Viele kleine Künstler leben von diesem Geschäft und bilden die Vielfalt der deutschen Musiklandschaft.«

Auch Dr. Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) ist kein Fan der Quotenforderung, auch nicht krisenbedingt. Seiner Ansicht nach wären dennoch »Radios generell gut beraten, wenn sie sich stärker mit lokalen und regionalen lnhalten und Themen profilieren würden, mit denen sich die Hörerinnen und Hörer entsprechend stärker identifizieren können.« Er verweist außerdem darauf, dass nach GfK Entertainment, einem Marktforschungsunternehmen, das die deutschen Charts ermittelt, 8 der Top-10-Alben 2019 waren erneut deutschsprachig und unter den 100 erfolgreichsten Singles des Jahres waren zum zweiten Mal in Folge mehr in Deutschland produzierte als internationale Titel zu finden.

Die ARD betonte, man gestalte die Musikprogramme so, dass sie den Wünschen und Hörgewohnheiten des Publikums entsprechen. »Dafür werden aufwendige regelmäßige Forschungen und Befragungen durchgeführt. Programme gegen den Publikumsgeschmack zu programmieren, würde nur dazu führen, dass weniger Menschen das Radio einschalten«, hieß es.

Am Schluss des Manifests werden nach den Initiatoren viele Künstler*innen aufgezählt, die von den Initiatoren vertreten werden. Damit suggeriert das Manifest, dass auch sie eine solche Quote befürworten könnten. Auch auf dieser Liste steht die Rostocker Punkband Dritte Wahl. Auf Nachfrage zeigt sich Gitarrist Gunnar Schroeder gegenüber »nd« irritiert den eigenen Bandnamen unter dem Aufruf wiederzufinden. »Ich finde Quoten generell schwierig. Quoten mit deutschen Künstlern erst recht. Wir sind ja eh keine Radio-Band und ich wünschte mir natürlich oft mehr Vielfalt im Radio, aber nicht nur deutsch und bitte auch keine Quote.« Mit Agenturen

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