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Corona

Alles Corona!

sieben tage, sieben nächte über die Omnipräsenz des Virus.

Von Regina Stötzel

»Na, alles Corona?«, fragt der Kollege. Ja, alles Corona. Und man gewöhnt sich dran. Dass die Video-Redaktionskonferenz wegen technischer Schwierigkeiten abgebrochen werden musste, ist schon lange her. Inzwischen sind wir versiert. Eigentlich. Dennoch muss der Chefredakteur, der mit einigen wenigen die Stellung im nd-Gebäude hält, mehrere Rechner ausprobieren, bis er sich auf einem zuschalten kann. Ein Kollege steigt aufs Mobiltelefon um, weil eine ganze Armada von Computern, Kameras und Headsets versagt hat. Es vergehen Minuten, bis alle versammelt sind. Zumindest vorübergehend. Beim einen fällt mal der Ton aus, beim Zweiten die Kamera. Der Dritte ist vollständig »eingefroren«. Der Vierte vergisst, das Mikro auszuschalten, während er seinen Schreibtisch umräumt, sodass nichts mehr zu verstehen ist.

Sich selbst bei den Videokonferenzen zu sehen, ist so seltsam, wie die eigene Stimme zu hören. Meine Güte, so blass! Alle anderen waren wohl kürzlich erst beim Friseur. Naja, vielleicht doch nicht. Ein Kollege erklärt den unkonventionellen Schnitt seines Bartes mit neuen Gepflogenheiten in Zeiten des Virus. Insbesondere wer komplett zu Hause arbeitet, kämpft gegen einen leichten Hang zur Verwahrlosung. Die Schlabberhose sieht ja keiner. Zähne warten noch auf die Bürste, während die ersten Mails beantwortet werden. Bärte sprießen, wo noch nie welche waren, Haare harren der Tönung, weil die Drogerie nicht mehr auf dem Weg liegt.

In der Wohnung ist es voll geworden. Neben der Redaktion sind auch Kita, Schule, Kantine, Fitnessstudio, Imbissstube, Restaurant, Kino, Kneipe und Club mit eingezogen. Es wird viel schneller unordentlich. Und noch viel schneller staubig. Die Spülmaschine ist plötzlich jeden Tag voll, der Kühlschrank erstaunlich schnell leer. Neben dem eigenen alten Laptop steht ein geborgtes neueres, das in der Lage ist, das Redaktionsprogramm zu bewältigen. Passwörter werden verwechselt, die falsche Maus bedient. Die Kommunikation läuft per Telefon, per Video, per E-Mail, per Chat; in Gruppen, zu zweit. Wo stand noch mal, welche zusammengesetzten Wörter, die mit »Corona« anfangen, gekoppelt werden und welche nicht? Die Antwort auf eine Frage an zwei Kolleginnen kommt nur von einer, mit Kopie an eine dritte. Jede Nachricht erfordert mindestens zwei weitere. Exponentielles Wachstum - damit kennen wir uns ja schon aus. Die Kommunikationskurve flach zu halten, ist auch eine Herausforderung.

Die Leute, die jetzt Zeit haben, dicke Bücher zu lesen, arbeiten in anderen Branchen. Weshalb wir uns glücklich schätzen können. Bisher ist das Interesse an den Medien groß in diesen seltsamen Zeiten und das »nd« nur ein bisschen prekärer als sonst. Auch deshalb schreiben wir über diejenigen, die es härter trifft (Seiten 6 und 7). Und hoffen, dass wir und Sie gesund bleiben! Regina Stötzel

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