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Muskelspiele in Italien

Profifußballer sollen auf ein Drittel des Gehalts verzichten, die Gewerkschaft protestiert

  • Von Tom Mustroph
  • Lesedauer: 3 Min.

Alle Augen in Fußballitalien waren Anfang der Woche auf die Mitgliederversammlung der Klubs der Serie A gerichtet. Sie sollte über Gehaltskürzungen bei den Profis entscheiden. »Einstimmig wurde eine generelle Linie festgelegt«, jubelte der Ligaverband. »Eine Kürzung der Bruttojahresgehälter um ein Drittel, also vier Monatsgehälter, wurde beschlossen für den Fall, dass der Spielbetrieb nicht wieder aufgenommen wird. Die Kürzungen betragen ein Sechstel, also zwei Monatsgehälter, sollte es doch zur Fortsetzung der Saison kommen«, hieß es in einer Mitteilung.

Die Maßnahme fand weitgehend ein positives Echo. Einkommenskürzungen müssen derzeit viele Italiener hinnehmen. Und Juventus Turin hatte es schon vorgemacht, als sich der Branchenführer mit dem Profikader auf 33 Prozent Gehaltskürzungen geeinigt hatte. Entscheidender Mann auf Spielerseite war dabei der Kapitän - und studierte Ökonom - Giorgio Chiellini.

Nur aus einer Ecke kam Protest. Die Vereinbarung sei eine »Schande«, schimpfte Damiano Tommasi, Präsident der Spielergewerkschaft AIC. »Die Lasten der Krise werden allein auf die Spieler abgewälzt«, warf er Verband und Klubs vor.

Tommasi hat nicht unrecht. Aktuell müssen die Klubs zwar auf die Stadioneinnahmen verzichten. Das Geld der Fernsehsender aber fließt, meldete zumindest die Tageszeitung »La Repubblica«. Und viele Profis erhalten auch weiter ihre Arbeitskraft mit Indoor-Training und Push-up-Wettbewerben, wie sie etwa Juves Star Cristiano Ronaldo von seiner Heimatinsel Madeira aus initiierte.

Wie viel Gewicht der Beschluss des Ligaverbands hat, ist schwer abzuschätzen. Die Klubs können sich zwar darauf berufen. Aushandeln müssen sie die Kürzungen aber nun in Einzelgesprächen mit den Spielern und deren Beratern. Die signalisierten durchaus Verständnis. »Sicher müssen auch die Profis einen Beitrag leisten, um das System Fußball zu erhalten«, teilte Claudio Pasqualin dem »nd« mit. Er ist seit mehr als drei Jahrzehnten Spielerberater in Italien.

Parallel zur Finanzdiskussion wird am Weg zurück in den Spielbetrieb gearbeitet. Die Ärztekommission des Verbandes regte an, dass Physiotherapeuten, die die Spieler begleiten, stets Masken tragen sollten. Sie schlägt auch die Aufteilung der Spieler in drei Kategorien vor - abhängig davon, welche Art von Antikörpern des Virus bei ihnen nachgewiesen wird. Wer Antikörper hat, die auf eine länger zurückliegende Infektion hindeuten, aber negativ auf Antikörper getestet wurde, die bei einer frisch erfolgten Infektion gebildet werden, gilt als immunisiert und darf mit Teamkollegen mit den gleichen Charakteristika trainieren. Wer auf beide Antikörperarten positiv getestet wird, muss isoliert und weiter untersucht werden. Bei wem keine Antikörper festgestellt werden, der soll sich alle vier Tage dem klassischen Corona-Abstrich unterziehen. Diese Empfehlung allerdings steht im Widerspruch zum aktuell gültigen Regierungsdekret. Danach haben nur Vertreter systemrelevanter Berufe, also vor allem medizinisches Personal, ein Anrecht auf regelmäßige Tests zum Schutz der eigenen Gesundheit.

Der Übergang zu Phase 2, also die schrittweise Wiederherstellung der Normalität, könnte auch den Verzicht auf ein weithin umstrittenes Element des modernen Fußballs mit sich bringen: »Die Videoschiedsrichter arbeiten teilweise unter extremen Bedingungen. Die Kabinen sind auf Lastwagen, manchmal haben sie keine zwei Quadratmeter Platz. Sicherheitsabstände können so nicht eingehalten werden«, meinte der Präsident der Schiedsrichtervereinigung AIA, Marcello Nicchi. Vermissen würde den »video assistent referee« - außer den Schiedsrichtern selbst - wohl kaum jemand. So mischt Covid-19 manche Karten komplett neu.

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