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Garantie von 100 000 Euro pro Anleger

Einlagensicherung

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Finanzkrise brachte es für viele unverhofft vor einem Jahrzehnt ans Licht: Viele Finanzprodukte, die als vermeintlich sichere Sparanlage verkauft wurden, bescherten den Kunden verheerende Verluste. Scheinbar unbedeutende Klauseln in den seitenlangen, kleingedruckten Geschäftsbedingungen entpuppten sich als gefährliche Stolperfallen.

So war beispielsweise die bis dahin angesehene amerikanische Investmentbank Lehman Brothers in Deutschland ein bedeutender Mitspieler auf dem Markt der »Anlagezertifikate«. Dass es sich bei diesen Produkten trotzdem nicht um sichere Geldanlagen handelte, sondern um ungesicherte Bankanleihen mit Ausfallrisiko, wurde von Vertretern der Banken und leider auch von vielen Sparkassen als unwichtig eingestuft - mit fatalen Folgen für die Sparer.

Von heute auf morgen bekamen Inhaber von Lehman-Zertifikaten zu spüren, wie ein angeblich »theoretisches« Risiko zu harter Realität wurde. Guthaben deutscher Anleger gingen in Millionenhöhe verloren - und das ausgerechnet mit sogenannten Garantie-Zertifikaten. Diese schützen zwar vor Kursverlusten, nicht aber vor der Pleite eines Geldinstitutes.

Bessere Einlagensicherung

Aufgrund der weltweiten Finanzkrise hatten sich das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union, also die nationalen Regierungen, im Dezember 2008 auf eine Änderung der alten EU-Einlagensicherungsrichtlinie geeinigt. Dadurch wurden zunächst Einlagen bei EU-Banken bis zu 50 000 Euro vollständig abgesichert. Bis zur Finanzkrise war die Summe niedriger und es galt eine Selbstbeteiligung von zehn Prozent. 2011 wurde die Garantiesumme dann auf 100 000 Euro pro Person und Kreditinstitut angehoben.

Noch weit über diese gesetzliche Mindestsicherung im Einlagensicherungsgesetz (EinSiG) hinaus schützen die drei großen Sicherungssysteme in Deutschland - private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken - die Einlagen ihrer Kunden. Girokonten, Sparbücher und andere Geldeinlagen sind daher in vollem Umfange sicher. Gedeckt sind zudem die sogenannten Namensschuldverschreibungen. Doch nicht jede Geldanlage ist abgesichert. Vor allem Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat (beispielsweise Inhaberschuldverschreibungen und Zertifikate), sind im Regelfall nicht geschützt. Hier droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust. Eine Auflistung der »nicht entschädigungsfähigen Einlagen« finden Sie im § 6 des Einlagensicherungsgesetzes.

Genossen lernen aus der Weltwirtschaftskrise

Am ältesten ist der Hilfsfonds der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken. Er wurde bereits während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren gegründet. Die Genossen setzen auf die Insolvenzsicherheit ihrer Institute. Im Notfall springt daher ein Garantiefonds ein, um das angeschlagene Institut zu retten. In diesen Fonds zahlen alle Geno-Banken regelmäßig ein. Auch der Sparkassensektor zielt auf das Überleben aller seiner Kreditinstitute.

Einen anderen Weg beschritten die privaten Kreditinstitute. Zum Aufbau einer umfassenden Einlagensicherung hatte sich die private Bankwirtschaft in der Bundesrepublik erst in den 1970er Jahren und aufgrund heftigen politischen Drucks entschlossen. Vorausgegangen war 1974 die spektakuläre Pleite des bekannten Bankhauses Herstatt, seinerzeit die größte deutsche Privatbank.

Heute schützt der Einlagensicherungsfonds der 130 privaten Banken die Kunden bis zu einer Höhe von 15 Prozent der haftenden Eigenmittel des jeweiligen Instituts. Dies sind laut Bankenverband BdB in der Regel mindestens 750 000 Euro pro Kunde. In den meisten Fällen liegt die Sicherungsgrenze jedoch deutlich höher. Und noch eine gute Nachricht: Auch bei Bausparkassen ist Ihr Geld sicher. Alle Bausparkassen sind in Sicherungseinrichtungen der jeweiligen Verbände organisiert.

Hohe Zinsen, hohe Unsicherheit

Das klassische Sparbuch hat trotz niedriger Zinssätze immer noch eine große Bedeutung. Als Alternative gilt Festgeld. Es ist als Sparanlage im Vergleich deutlich lohnender. In den einschlägigen Vergleichsportalen im Internet findet man teilweise sehr hoch verzinste Angebote, die Banken aus dem Ausland anbieten.

Hier ist Zurückhaltung geboten. Die 100 000-Euro-Garantie gilt nur für Geldinstitute, die in einem EU-Land einer Einlagensicherung angehören. Dazu kommt möglicherweise ein Wechselkursrisiko, wenn Sie Geld beispielsweise in Rubel oder Dollar anlegen.

Die Verbraucherzentrale in Hamburg empfiehlt fünf »sichere« Institute mit vergleichsweise hohen Zinssätzen:

  • Bank 11 (Einlagensicherung in Deutschland),
  • Ziraat Bank (Deutschland),
  • Renault Bank Direkt (Frankreich),
  • Eurocity Bank (Deutschland),
  • Deniz Bank (Österreich).

Die Infobroschüre »Sparzinsvergleich« enthält eine Übersicht mit aktuellen Zinssätzen von sicheren Geldanlagen. Sie kann für 3 Euro auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg heruntergeladen werden (www.vzhh.de).

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