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Virtuelle Pommes, Currywurst oder Weinschorle

Der TC Freisenbruch hat eine Online-Plattform für Sportklubs erstellt, auf der Fans Tickets und Kulinarisches für Geisterspiele kaufen können

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Als Achtligist aus Essen haben Sie die Plattform geisterspieltickets.de an den Start gebracht, bei der kleine Fußballvereine wie Ihrer virtuelle Tickets, Stadionbratwürste und Bier verkaufen können. Wie viele Vereine haben sich bisher bei Ihnen angemeldet?

Bis jetzt sind es 356 Vereine und es werden stündlich mehr.

Sind das alles Amateur-Fußballvereine, oder ist Ihre Plattform auch für andere Sportarten offen?

Die kommen mittlerweile aus vielen verschiedenen Sportarten, das Angebot richtet sich an alle. Es haben sich Vereine aus dem Handball und Volleyball angemeldet, ein Dartverein sowie ein Rugbyverein aus Ostdeutschland sind auch dabei. Und wir haben schon die ersten Anfragen von Schützenvereinen, denen jetzt auch die Veranstaltungen wegbrechen.

Was machen die Vereine der anderen Sportarten mit der Stadionwurst, die die Fußballklubs auf der Webseite verkaufen? Das Stadion gibt es bei denen ja oft gar nicht.

Die Vereine müssen nicht zwangsläufig Tickets, Bratwürste und Bier verkaufen. Seit Montag können sie selbst ihr Sortiment gestalten. Es gibt ja sehr unterschiedliche Gepflogenheiten in den verschiedenen Regionen Deutschlands, was beim Sport so getrunken und gegessen wird. Die ersten Vereine haben nun virtuelles Sucuk-Brötchen angelegt, virtuelle Pommes, Currywurst, Kaffee und Kuchen oder Weinschorle.

Bei kleineren Vereinen sind die Ticketpreise ja überschaubar. Brechen denen überhaupt so viele Gewinne weg?

Gerade im Amateurbereich sind die Einnahmen aus den Spielen und aus Veranstaltungen ein wichtiger Bestandteil des Saisonbudgets. Die Ticketerlöse sind bei kleinen Vereinen am Ende keine Riesensumme. Aber das sind bei den jetzt ausfallenden Heimspielen der Restsaison schnell 10 bis 15 Prozent des Jahresetats, die da wegbrechen. Was vielen in diesen Wochen auch zu schaffen machen wird, sind die wegfallenden Veranstaltungen wie ein Osterfeuer oder der Tanz in den Mai. Abgesehen davon, dass man nicht mehr gesellig zusammenfinden kann, dass also gar kein Vereinsleben mehr stattfindet.

Das ist vielleicht eines der wenigen Dinge, das sich durch alle Ligen zieht, oder? Dass dieses Vereinsgefühl, das gemeinsame Sporterleben nun wegfällt.

Genau. Da knabbern viele extrem dran, dass das nicht mehr stattfindet, das merkt man schon in Gesprächen.

Beim TC Freisenbruch entscheiden seit Juli 2016 Mitglieder online, wer auf dem Spielfeld steht, wie Geld verwendet wird und wer der Trainer ist. Wie klappt das bisher?

In der ersten Saison sind wir mit 14 Punkten Vorsprung von der Kreisliga B in die Kreisliga A aufgestiegen. Auch sonst sind wir sehr zufrieden, der Verein war vor dem Wandel kurz vor der Auflösung. Und jetzt sind wir fast am Ende der vierten Saison, und die Leute bestimmen nach wie vor über alles, was für den Verein zu entscheiden ist. Also Aufstellung, Transfers, Trainer, Bier- und Bratwurstpreise.

Wie kommt es, dass ein Achtligist so digitalaffin ist? Sind zufällig viele ITler und Social-Media-Experten Mitglieder?

Es ist ein gewisser Zufall, dass die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zusammenfanden. Wir haben einen Programmierer, der das Ganze programmiertechnisch aufsetzen kann. Und wir haben Dienstleister, mit denen wir zusammenarbeiten. Die Idee für die Webseite kam auch auf der Onlineplattform des Vereins auf.

Den Geisterspielticketverkauf aufzuziehen, den die größeren Vereine wie Vfl Bochum oder Lok Leipzig bereits begonnen hatten?

Das waren Vereine der zweiten, dritten, vierten Liga, die schon relativ groß sind. Wir dachten, nur für den TC Freisenbruch lohnt sich der Aufwand wahrscheinlich nicht. So kam die Idee auf, dass man eben allen Vereinen ihren eigenen Ticketshop zur Verfügung stellt. Es haben sich auch viele Vereine zurückgemeldet, dass sie überlegt hatten, so etwas zu machen, aber die Umsetzung mit etwa den Zahlungsweisen, der Seitengestaltung zu aufwendig war.

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