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Berlkönig fährt weiter medizinisches Personal

Kostenloser Shuttleservice bis 3. Mai verlängert – Taxigewerbe wartet auf Antwort des Senats auf Angebot

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.

Der für Beschäftigte des Gesundheitswesens kostenlose Sammeltaxidienst Berlkönig geht in die Verlängerung bis zunächst 3. Mai. Das teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Freitag mit. In deren Auftrag betreibt ViaVan, ein Joint Venture des Automobilkonzerns Mercedes-Benz und des US-amerikanischen Technologieunternehmens Via den Berlkönig. Zunächst galt das Angebot bis 20. April.

Täglich zwischen 21 und 8 Uhr befördert der Dienst exklusiv und kostenlos ärztliches Personal, Pflegepersonal, medizinische Fachangestellte und Rettungskräfte. Das reguläre Angebot für die Allgemeinheit, das hauptsächlich in der östlichen Innenstadt verfügbar war, ist daher seit 25. März eingestellt.

Gerade bei Betriebsbeginn am frühen Morgen oder auch spätabends waren zu Beginn des Notfahrplans im März BVG-Busse, die Krankenhäuser ansteuern, zumindest für Corona-Verhältnisse überfüllt.

Nach Kritik am anfänglich zu kleinen Bediengebiet und einem in Bezug auf die Schichtwechselzeiten zu eingeschränkten Zeitfenster wurden beide Anfang April ausgeweitet. Inzwischen werden 75 Prozent der Berliner Krankenhausbetten angefahren. Nach BVG-Angaben haben sich inzwischen mehr als 2600 Gesundheitsbeschäftigte für den Dienst registriert, täglich finden über 400 Fahrten statt.

»Wir brauchen eine flächendeckende Lösung für das Gesundheitspersonal, aber auch andere systemrelevante Berufe«, fordert Kristian Ronneburg, Verkehrsexperte der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus. Schließlich wohnen oder arbeiten viele der Betroffenen außerhalb des Bediengebiets. Die Koalitionsfraktionen seien schon seit Längerem mit dem Senat im Gespräch, wie man das derzeit brachliegende Taxi-Gewerbe für einen kostenlosen Shuttle-Service nutzen könnte.

»Wir haben mit dem Senat darüber gesprochen, dass das Taxigewerbe Fahrten machen würde«, sagt Hermann Waldner, Geschäftsführer der Taxizentrale Berlin, zu »nd«. »Aber wir haben noch keine Rückmeldung bekommen.« Dem Senat würde nur der halbe Taxipreis in Rechnung gestellt werden. »Es wäre nachher nicht die Masse an Fahrten, von großer Subvention kann man nicht sprechen«, so Waldner.

Aber es wäre ein willkommenes Bonbon für die darbende Branche. »Die Umsätze im Taxigewerbe sind auf nur noch 20 Prozent gefallen«, berichtet Waldner. Betriebe mit Angestellten hätten häufig Kurzarbeit Null angemeldet sowie Fahrzeuge stillgelegt und abgemeldet. »Für die Solo-Selbstständigen ist es sehr schwierig. Die arbeiten für fünf oder zehn Euro Umsatz pro Stunde, da bleibt nach Abzug der Kosten fast nichts übrig«, sagt der Leiter der Taxizentrale. Immerhin sei die Unterstützung für Solo-Selbstständige, allein vom Land Berlin je 5000 Euro, angekommen. Ganz finster sei es wegen der kaum vorhandenen Unterstützung für Betriebe ab zehn Beschäftigte.

Seit Jahren ist die Taxibranche in Bedrängnis. Fahrdienste wie Uber, aber auch der Berlkönig, nehmen Umsätze weg. »Taxis waren immer der Teil des öffentlichen Nahverkehrs, der ohne Subventionen ausgekommen ist«, sagt Waldner. »Wenn die Strukturen erst mal kaputt sind, wird es schwierig sein, das wieder neu aufzubauen«, warnt er.

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