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Gedenken per Videobotschaft

Stille Feiern zum 75. Jahrestag der Befreiung von Konzentrationslagern

Sachsenhausen. Vor 75 Jahren befreiten sowjetische und polnische Truppen die Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen. Erstmals seit der Eröffnung der Gedenkstätten 1959 und 1961 konnte der Jahrestag wegen der Coronakrise am Sonntag nicht mit den Überlebenden gefeiert werden. Die Stiftung brandenburgische Gedenkstätten veröffentlichte ersatzweise Grußbotschaften im Internet. So äußerte sich aus Israel der 1936 geborene Richard Fagot, der als Kind Häftling in beiden Lagern gewesen ist. »Nur dank einer Reihe an Wunder grenzender Zufälle«, so sagte er, sei es ihm gelungen, »diese Hölle zu überleben.« Die Welt stecke wegen des Coronavirus derzeit »in einer seit Jahrhunderten nicht dagewesenen Krise, in den eigenen vier Wänden eingesperrt«. Leider sei es unmöglich geworden, das »75. Jubiläum der Befreiung von einem noch viel schrecklicherem Übel gemeinsam zu feiern«.

Bernt Lund - Jahrgang 1925, Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees und norwegischer Widerstandskämpfer - nahm seine Rede vor einer Wand mit Gemälden und der Tür zur Küche auf. Er warnte vor Fremdenfeindlichkeit, die es in Deutschland und anderswo heute wieder gebe.

Polens Außenminister Jacek Czaputowicz von der rechten Partei PiS verlangte, die Naziopfer nicht »ihrer nationalen Identität zu berauben«. Er betonte, dass auch polnische Soldaten Sachsenhausen befreiten, ließ aber weg, an wessen Seite. Im Gegensatz zu den übrigen Grußworten erwähnte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in seinem wenigstens, dass die Rote Armee Sachsenhausen befreite.

Begangen wurde am Wochenende auch der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen (Niedersachsen) durch britische Soldaten. af Seite 7

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