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Bespaßt euch doch selber

Eine Rückkehr zum Kita-Regelbetrieb soll es nicht vor dem 1. August geben

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Shoppen ist demnächst wieder in größerem Umfang möglich, immer mehr Berliner Kinder und Jugendliche sollen nach und nach wieder die Schulbank drücken - bei den Kitas wird es aber im Wesentlichen beim coronabedingten Ausnahmezustand bleiben. Vor dem 1. August soll es hier keine Rückkehr zum Regelbetrieb geben. Darauf hatte sich der Senat letzten Donnerstag verständigt.

Wie Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) in diesem Zusammenhang mitteilte, wird ab kommendem Montag allerdings der Kreis der Familien erweitert, deren Kinder Anspruch auf eine Notbetreuung haben. Demzufolge reicht es ab dem 27. April aus, wenn nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet. Bisher galt für die meisten, dass beide Eltern in einem der betreffenden Berufe arbeiten müssen. Ebenfalls zum Kreis der Anspruchsberechtigten gehören künftig »erwerbstätige Alleinerziehende und Alleinerziehende in Ausbildung, die keine andere Möglichkeit der Kinderbetreuung haben«, so Scheeres’ Sprecherin Iris Brennberger zu »nd«. Entsprechende Details sowie weitere Schritte - welche Kinder und welche Berufsgruppen als Nächstes berücksichtigt werden - befänden sich aber noch in der Abstimmung. Brennberger verweist zudem darauf, dass der 1. August keineswegs in Stein gemeißelt sei. »Das ist keine feste Vorgabe. Wenn der Verlauf der Corona-Pandemie es zulässt, kann und soll es schneller gehen.«

Laut einer Umfrage des Landeselternausschusses Kita (LEAK) ist Berlins Elternschaft gespalten in der Frage, ob das Wiederhochfahren der Kindertagesstätten überhaupt sinnvoll ist. So fordert die eine Hälfte der über 1000 Umfrageteilnehmer, »dass ihre Kinder so schnell wie möglich wieder in die Kita dürfen, während die andere Hälfte aus verschiedenen Gründen weitaus vorsichtiger oder sogar ganz dagegen ist«, berichtet LEAK-Vorsitzende Corinna Balkow. Sie fordert, dass der Senat auch Alternativen zur Beschränkung der Kita-Öffnungen auf bestimmte Berufsgruppen in Erwägung ziehen soll. »Es wäre vielen Familien ja schon geholfen, wenn die Kinder wenigstens ein, zwei Tage in der Woche die Kitas besuchen dürften. Da muss man Druck rausnehmen.«

Dass die Unruhe in vielen Berliner Familien groß ist, sieht auch Doreen Siebernik, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin. »Natürlich merken wir alle, dass der Gummi so langsam überspannt ist.« Siebernik kritisiert dabei, dass sich die Senatsfamilienverwaltung hinsichtlich der Kita-Öffnungen »nur am Papier abarbeitet, wer jetzt systemrelevant ist und wer nicht«. Sofern die Einrichtungen dies neben dem Notbetrieb leisten könnten, müsse auch über die Aufnahme von Kindern von Elterngruppen jenseits systemrelevanter Berufe gesprochen werden, über Kinder, die »behindert oder von Behinderung bedroht sind oder aus besonders belasteten Familienverhältnissen kommen«. »Individuelle Lösungen müssen möglich sein«, so Siebernik zu »nd«.

Das will die Familienverwaltung so nicht stehen lassen. »Kinder, bei denen Sorge um das Kindeswohl besteht, können bereits jetzt die Notbetreuung in Anspruch nehmen, wenn die Jugendämter dies für erforderlich halten«, sagt Sprecherin Iris Brennberger. Gleiches gelte für Kinder mit Behinderung.

Ob Verwaltung, Elternvertreter oder Gewerkschaft: Einigkeit besteht darin, dass das Wiederhochfahren des Kitabetriebs unter epidemiologischen Gesichtspunkten für alle Beteiligten eine große Herausforderung wird. »Kinder und Masken - das funktioniert wahrscheinlich nicht«, so Corinna Balkow vom LEAK.

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