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Vermummung wird Pflicht

Sachsen müssen seit Montag im ÖPNV und beim Einkaufen einen Mund-Nase-Schutz tragen

  • Von Max Zeising
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Dresdner Bevölkerung dürfte sich am Montag ein wenig an frühere Zeiten erinnert haben. Vor dem Rathaus hatte sich eine mehrere hundert Meter lange Schlange gebildet. Zu DDR-Zeiten wäre man wohl davon ausgegangen, dass hier seltene ausländische Produkte zu erwerben sind. Doch hier wurden heimische Erzeugnisse verschenkt: Schutzmasken aus Dresdner Produktion. Die Stadt verteilte nach eigenen Angaben rund 20 000 Stück aus Stoff in den Farben schwarz und weiß.

Der Grund: Seit Montag herrscht in Sachsen »Maskenpflicht«. Im ÖPNV und beim Einkaufen sind die Bürger im Freistaat zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes verpflichtet, bei dem es sich nicht unbedingt um eine klassische Stoffmaske oder gar ein Medizinprodukt handeln muss. Ein Schal oder Tuch reicht zunächst ebenfalls aus, zumal gar nicht überall Masken bereitgestellt werden können. Die Vorschrift ist eingebettet in einen ersten Schritt der Lockerung der strengen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. So dürfen ab Montag Baumärkte und weitere Geschäfte wieder öffnen, die Abschlussklassen kehren in die Schulen zurück.

Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 3. Mai, wie Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am vergangenen Freitag bekannt gegeben hatten. Kretschmer warnte dabei vor verfrühter Euphorie: »Das Virus ist nach wie vor in unserer Heimat vorhanden. Deswegen bleibt der einzige Schutz: Abstand halten zwischen Menschen.« Nur dann werde es gelingen, »die Zahl der Infektionen beherrschbar zu halten«. Die Masken sollen helfen, die Zahl der Neuinfektionen trotz der Lockerungen weiter zu senken, denn, so Köpping: »Abstand zu halten ist nicht an allen Orten möglich.«

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung hatte am Freitag überraschend eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr beschlossen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte, Nutzer von Straßenbahn, Bus oder Taxi müssten ab dem 27. April Mund und Nase verhüllen. Bei Einkäufen gilt im Nordosten hingegen weiter nur eine »dringende Empfehlung«, eine »Alltagsmaske« zu tragen. In Mecklenburg-Vorpommern öffneten am Montag zahlreiche Geschäfte wieder ihre Pforten, so auch Bau- und Gartenmärkte, die hier im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern für den Publikumsverkehr gesperrt waren.

Am Montag verkündete auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für sein Bundesland eine Maskenpflicht im ÖPNV wie auch beim Einkaufen. »Appelle allein werden wahrscheinlich nicht die notwendige Sicherung sein«, sagte der CSU-Politiker und fügte hinzu, darin sei er sich mit seinen Amtskollegen in Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz einig. Die Äußerung deutet darauf hin, dass in Kürze wohl auch Rheinland-Pfalz eine Maskenpflicht einführen wird.

Söder kündigte zugleich Entlastungen für Familien, Sportvereine, Jugendherbergen und Künstler an. So werde der Freistaat für die kommenden drei Monate die Beiträge für geschlossene Kitas übernehmen. Bayerische Künstler sollen mit 1000 Euro monatlich unterstützt werden.

Derweil ist es im niederbayerischen Straubing schon ab diesem Donnerstag Vorschrift, Mund und Nase in Geschäften wie auch auf den dazugehörigen Parkplätzen zu verhüllen, außerdem im Nahverkehr und an Marktständen. Das teilte die Stadt am Montag mit. Grund dafür ist die besonders hohe Zahl an Infektionen. Das Straubinger Gesundheitsamt vermeldete am Montagmorgen für die 48 000-Einwohner-Stadt 300 Infizierte und 22 Todesfälle. Das entspricht 628 Infizierten pro 100 000 Einwohner. Der Bundesdurchschnitt lag am Montag laut Robert-Koch-Institut bei 170. Noch höher ist die Infektionsrate in den Landkreisen Tirschenreuth und Wunsiedel mit 1469 beziehungsweise 788 Infizierten je 100 000 Einwohner.

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