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Knifflige AKW-Wartung in Zeiten von Corona

Atomkraftgegner fordern Abschaltung der Reaktoren - auch zum Schutz der Beschäftigten

Die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke halten trotz Coronakrise an den geplanten Revisionen der Meiler fest. Preussen-Elektra, RWE und Energie Baden-Württemberg haben für die personalintensiven In-spektionen aber verschärfte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt.

Einmal im Jahr gehen die AKW planmäßig für drei bis vier Wochen vom Netz. In der Zeit wird in der Regel ein Drittel der Kernbrennstäbe durch frische ersetzt. Zudem gibt es Prüfungen an Anlagenkomponenten und Sicherheitssystemen sowie Inspektionen an Behältern, Armaturen und elektrischen Schaltanlagen, wie RWE-Sprecher Jan Peter Cirkel auf nd-Anfrage erläutert. Zusätzlich zum Stammpersonal kommen für die Arbeiten bis zu 1000 Beschäftigte von Fremdfirmen in die Anlagen. Insgesamt sind dann bis zu 2000 Menschen in den Kraftwerken tätig.

RWE betreibt die AKW Emsland in Niedersachsen und Gundremmingen C in Bayern. Hier soll die Revision Mitte Juni beginnen, im Kraftwerk Emsland am 8. Mai. Alle Mitarbeiter von Partnerfirmen müssen vorher über ihren Gesundheitszustand Auskunft geben und werden über die geltenden Hygienemaßnahmen belehrt, sagt RWE-Sprecher Cirkel. »Stark frequentierte Anlaufstellen wie das Revisionsbüro werden nacheinander und nicht zeitgleich betreten.« Für die Kantinennutzung gibt es etwa zugewiesene Ausgabezeiten sowie größere Sitzabstände an den Tischen.

Schon jetzt, betont Cirkel, gelten in den AKW strengere Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus als in anderen Industrieanlagen. Dazu zählen häufiger Wäschewechsel und die Pflicht, Schutzmasken zu tragen. Darüber hinaus dürfen nur noch die Personen auf das Werksgelände, die für Betrieb oder Instandhaltungsmaßnahmen erforderlich sind. »Das übrige Personal arbeitet, wo es möglich ist, zu Hause oder befindet sich in häuslicher Bereitschaft«, so Cirkel. Besucherzentren sind geschlossen.

Während RWE und auch Energie Baden-Württemberg, Betreiber des AKW Neckarwestheim II, nicht ausschließen wollen, dass die Revisionen wegen der »dynamischen Lage« verschoben werden könnten, ist das für die Eon-Tochter Preussen-Elektra keine Option. »Sicherlich ist es so, dass uns die Vorbereitung der Revisionen in diesen Zeiten einiges an Planung und Vorsorge abverlangt«, sagt Sprecherin Almut Zyweck. Eine Verschiebung der Revisionen stehe aber »derzeit nicht in Rede«.

Preussen-Elektra betreibt die AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein, Grohnde in Niedersachsen und Isar 2 in Bayern. Für die Revisionen sind Termine im Juli und September reserviert. In Grohnde hat der Jahrescheck trotz Sicherheitsbedenken und Protesten von Umweltschützern schon am Ostersonntag begonnen. Landessozialministerin Carola Reimann und Umweltminister Olaf Lies (SPD) hatten dafür einen Kompromiss zugelassen. Wichtigste Vorgabe: Statt 1500 Mitarbeitern sind nun höchstens 250 Personen auf dem Gelände erlaubt. Dadurch dauern die Arbeiten statt zwei Wochen eineinhalb Monate.

Preussen-Elektra beteuert, die Abstandsregeln ließen sich durch Reduzierung des Fremdpersonals einhalten. Extra aufgestellte Zelte sollen genug Platz bei der Verpflegung gewährleisten. Bei Mitarbeitern, die einen aktuellen Corona-Test nachweisen müssen, werde beim Zutritt zum Gelände Fieber gemessen.

Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation »Ausgestrahlt« hält von dem Kompromiss gar nichts. AKW seien nicht relevant für die Stromversorgung, sagt er. Wenn nun der Stromverbrauch aufgrund der Coronakrise deutlich absinke, seien die Meiler gleich doppelt verzichtbar. Deshalb müssten zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Pandemie die personalintensiven Revisionen unterbleiben. Stattdessen sollten die Reaktoren abgeschaltet und die Betriebsmannschaften - bis auf die für die Anlagensicherheit notwendigen Personen - nach Hause geschickt werden.

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