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Meister der Dämpfe

SOWIESO über das Land der Küchenbauer

  • Von Adrian Schulz
  • Lesedauer: 2 Min.

Jetzt ist es also passiert. Jemand hat es geschafft, den legendären Slogan »Currywurst ist SPD« zu überbieten. Armin Laschet war das, er soll in einer Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums von Nordrhein-Westfalen als dem »Land der Küchenbauer« gesprochen haben, um seinen Drang nach einem Ende der Kontaktbeschränkungen zu begründen. Das könnte man so auf ein Wahlplakat drucken. Brüste, Kinder und Tiere gelten gemeinhin als die verlässlichsten Werbemotive, doch Politik lehrt schon seit Goebbels’ »Eintopfsonntagen«: Essen schlägt sie alle.

Was ist Armin Laschet eigentlich für einer? Einer, der Möbelhäuser und Baby-Fachmärkte für systemrelevant hält. Einer, dem zuzuhören die Ohren anstrengt, weil Konsonanten und Vokale, mit seinem Mixer namens Mund vermengt, munter durcheinandergewürfelt das Gesicht verlassen. Einer, der, wie er im Deutschlandfunk-Interview bekennt, nichts von der »Durchseuchungstheorie« hält - aber auch nichts von allen anderen Theorien. »Mir sagen nicht Virologen, was ich zu entscheiden habe«, und wenn doch, dann nur die Virologen, die seine Regierung selbst bezahlt hat. Das nennt man »Nachhaltigkeit« und hat auch im Hambacher Forst prima geklappt. Alternative Fakten? Rheinische Fröhlichkeit heißt das hier - und wer nicht mitmachen will, kann ja nach drüben gehen.

So läuft das in Köln, Düsseldorf, Aachen: Man kennt sich, man atmet sich seine Dämpfe entgegen, man gibt Wichtiges zu bedenken und lässt sich nicht hängen. Vor allem nicht in Zeiten wie diesen. Mer muss och jünne künne.

Da steht also der Laschet in seiner Küche und denkt nach: Mensch, Zwiebeln, Kartoffeln, Sauerbraten, wie mache ich das denn jetzt am geschicktesten für die Jecken da drinnen und draußen, dass möglichst wenige an meinem Küchenwerk sterben und es trotzdem brodelt und blubbert und brutzelt wie sonst nur im Gottesdienst, hier ist schließlich jeden Tag Karneval und in meinem Kopf sowieso. Und er niest aus voller Seele in die Pfanne, hach, das musste mal raus, und, zack, auch schon abgelöscht, Soße dabei, was will man mehr? Ab zu den Gästen damit.

Wenn man davon ausgeht, dass jede wichtige Entscheidung in Armin Laschets Leben auf die persönliche Intervention funzeliger Möbelbarone und ewiger Schunkelkontakte zurückgeht, dann müssen auch die »Schäden für die Psyche«, die ihm immer wieder als Argument gegen eine funktionierende Corona-Bekämpfung vorschweben, höchst partikularer Natur sein. Geht es ihm also nicht gut? Und wenn ja, welche Art von Milchaufschäumer hilft dagegen?

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