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Waffenkunde in Moskau

Eine war’s Nr. 261 von Sven Gerner

Von Sven Gerner

Eine Oper, ein Theaterstück, ein Dokumentarfilm, eine Radiosendung, ein Tanzstück und ein Spielfilm tragen ihren Namen. Eine Kindertagesstätte, eine Jugendherberge und eine Senioreneinrichtung wurden in Deutschland nach ihr benannt. Eine Skulptur auf dem Gelände der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück hat sie zum Vorbild.

Mit etwa 18 Jahren verlässt sie ihre politischen Freundinnen und Freunde in München und kommt nach Berlin, wo sie sich weiterhin in der Kommunistischen Jugend engagiert. Zwei Jahre später, im Jahr 1928, befreit sie mithilfe von weiteren bewaffneten Genossinnen und Genossen einen politischen Gefangenen aus dem Kriminalgericht in Berlin-Moabit. Eine intensive Ausbildung an der Waffe erhält sie während ihres anschließenden Aufenthalts in Moskau. Dort lernt sie Fremdsprachen und beweist ihre Fähigkeit zur Untergrundarbeit anlässlich ihrer Reisen nach Westeuropa. Schließlich kandidiert sie erfolgreich als Präsidiumsmitglied der Kommunistischen Internationalen Jugend.

Im Sommer 1934 wird sie als Personenschützerin ausgewählt, um einen südamerikanischen Revolutionär auf seiner Rückreise zu begleiten. Die beiden tarnen ihre Reise als Flitterwochen - und verlieben sich. Die Revolution gegen das autoritäre Militärregime scheitert, im Frühjahr 1936 werden beide verhaftet. Zu dieser Zeit ist sie schwanger und hofft, als Ehefrau eines Einheimischen, von dem sie ein Kind erwartet, der Abschiebung nach Nazi-Deutschland zu entgehen.

Die Hoffnung zerschlägt sich. Sie wird ausgeliefert, obwohl dies dem geltenden Landesgesetz widerspricht. Ende des Jahres kommt im Berliner Frauengefängnis Barnimstraße ihre Tochter zur Welt. Über ein Jahr bleibt das Kind bei der Mutter, bis es der Großmutter väterlicherseits übergeben werden kann. Die Gesuchte ist zu dieser Zeit 30 Jahre alt. Man verlegt sie dann ins KZ Lichtenburg und später ins KZ Ravensbrück. 1942 wird sie zusammen mit anderen Häftlingen des KZ Ravensbrück in der Tötungsanstalt Bernburg vergast.

Ob sie, wie sie gegenüber der Gestapo angab, mit dem Vater ihrer Tochter verheiratet gewesen war, erscheint eher unwahrscheinlich. Die Ehe hatte sie wiederholt als »bürgerliche Institution wirtschaftlicher Abhängigkeit von Frauen« abgelehnt. Weder das Paar noch offizielle Stellen in Moskau oder Lateinamerika konnten entsprechende Dokumente nachweisen. Vermutlich versuchte sie mit der Behauptung, zunächst ihre Abschiebung zu verhindern und später zu ermöglichen, dass zumindest die Tochter das Gefängnis dauerhaft verlassen konnte.

Wer war’s?

Rätselantworten per Post an: neues deutschland, Steckbrief, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin oder per E-Mail an: steckbrief@nd-online.de

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