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Gestrauchelter

personalie

Von Wilfried Neiße

In Krankenhäusern geht es tagtäglich um Leben und Tod. Doch, was nun dem Potsdamer Klinikchef Steffen Grebner vorgeworfen wird, ist äußerst selten: Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie gegen ihn wegen »fahrlässiger Tötung« ermitteln muss. Und das gleich in mehr als drei Dutzend Fällen. Am Donnerstag wurde Grebner, immerhin seit 2007 Geschäftsführer des Ernst-von-Bergmann-Klinikums (EvB), von Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

Nein, hier steht nicht zur Debatte, was mit dem unsäglichen Wort »Kunstfehler« einen folgenschweren ärztlichen Fehlgriff bezeichnet. Die größte Klinik des Landes Brandenburg mit insgesamt 1700 Betten wies eine unerklärliche Häufung von 39 Corona-Todesfällen auf, mehr als 200 Mitarbeiter sind infiziert. Nur noch Notfälle werden jetzt aufgenommen. Der studierte Wirtschaftsingenieur Grebner hatte vor Kurzem Fehler eingeräumt. Der Ausbruch sei zu spät erkannt worden, der 56-Jährige versprach Konsequenzen. Nun ist er der Erste, der Konsequenzen zu spüren bekommt. Das dürfte eine ungewohnte Erfahrung für den Manager sein. Der gebürtige Schweinfurter, der vor seiner Zeit am EvB als Betriebsdirektor am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf Karriere gemacht und nebenbei die klinikeigene Consultingfirma geleitet hatte, heimste in Potsdam von vielen Seiten Lob und Bewunderung ein. Denn als er sein Amt vor 13 Jahren antrat, galt die Klinik als wirtschaftlich angeschlagen. Grebner profilierte sich als »Macher« und ließ schon mal Schulden in Höhe von 50 Millionen Euro aufnehmen, um sein Klinikimperium weiter auszubauen. Jede Menge Sanitätshäuser, Apotheken, Optiker haben sich um das EvB angesiedelt, das inzwischen auch in zwei anderen brandenburgischen Städten Niederlassungen betreibt und mehrere Tausend Mitarbeiter beschäftigt. Aus der einst maroden Klinik hat Grebner einen Großkonzern mit einem Jahresumsatz in dreistelliger Millionenhöhe gemacht. Doch das hatte offenbar seinen Preis. Wilfried Neiße

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