Stolz auf die Abstammung

Christian Lüth wurde als Sprecher der AfD gefeuert.

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

Die AfD-Spitze will der Öffentlichkeit vorgaukeln, dass sie extrem rechte Umtriebe in der Partei nicht toleriert. Anders kann man den Rauswurf ihres langjährigen Partei- und Fraktionspressesprechers nicht verstehen. Der Grund der Freistellung von Christian Lüth soll nach Medienberichten nämlich seine Sicht auf die Terrorherrschaft der Nazis gewesen sein. Als ob es nicht genug Figuren in der Rechtspartei gäbe, die eine mehr als fragwürdige Position zu Hitler und seinen Spießgesellen hätten – und trotzdem bleiben dürfen.

Der 43-Jährige Lüth bezeichnet sich laut »Zeit Online« als »Faschist« und soll mit Bezug auf seinen Großvater von seiner »arischen« Abstammung gesprochen haben. Wolfgang Lüth hatte im Zweiten Weltkrieg als U-Boot-Kommandant der Kriegsmarine gekämpft und war von Hitler wegen seiner »Verdienste« mit dem Eiserner Kreuz ausgezeichnet worden. Was in manchen AfD-Ortsverbänden als Pluspunkte in der Bewerbungsmappe herausstechen dürfte, soll also in der Bundespartei auf einmal ein No-Go sein? Zumal Lüth seit 2013 für die Rechtspartei arbeitet und als enger Vertrauter der Parteiführung und von Fraktionschef Alexander Gauland gilt.

Dabei hatte Lüths politische Karriere nicht im brauen Sumpf, sondern im liberalen Milieu begonnen. Nach dem Studium der Politikwissenschaft arbeitete er für einen FDP-Abgeordneten, wechselte anschließend zur Friedrich-Naumann-Stiftung, die der Apotheker- und Ärztepartei nahesteht, und ging für sie als Projektleiter ins mittelamerikanische Honduras. Ob er dort schon von seiner Abstammung schwärmte, ist nicht überliefert.
Überliefert hingegen ist Christian Lüths Begeisterung für die Anfang 2013 entstandene AfD, damals ein Sammelbecken von »Euro-Kritikern«, rechten CDU-Abweichlern und liberalen Wirtschaftsprofessoren. Diese Zeit ist lange passé. Die Zukunft der AfD gehört den Höckes und Kalbitz' – und daran kann auch der Rausschmiss von Lüth nichts ändern.

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