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Junges Gejammer

Der Tatort »National feminin« hat es geschafft, die Neue Rechte so darzustellen, wie sie ist.

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 2 Min.

Ein Fernsehkrimi ist ein Fernsehkrimi. Nicht viel mehr und auch nicht viel weniger. Ja, Krimis, gerade der Tatort bzw. Polizeiruf am Sonntagabend, sucht sich immer wieder Subkulturen, Szenen und gesellschaftliche Milieus, in denen die Verbrechen passieren und setzt sich dann, mehr oder weniger gut, mit dieser Kulisse auseinander.

Die Hintergründe eines Tatorts können dabei in 90 Minuten natürlich nur ein Zerrbild der Realität darstellen. Das weiß auch eigentlich jeder, weswegen ein Mord im Kleingartenverein nicht dazu führt, dass sich hunderte Kleingärtner im Internet über den Fernsehkrimi echauffieren. Bei der Neuen Rechten, speziell der Identitären Bewegung, im Tatort heißt sie »Junge Bewegung«, ist das anders. Die Sozialen Netzwerke wurde am Sonntagabend mit Beiträgen zum Tatort geflutet. Man sieht sich als Opfer der »Propaganda« des »Staatsfunks«. Gar »linksextrem« soll der Tatort gewesen sein. In dem ein Linker übrigens, ohne dass es lange thematisiert wurde, von einem Polizisten überfahren wird.

Virtuell haben extrem rechte Akteure dann auch gleich die »Junge Bewegung« gegründet und hetzten rassistisch gegen die Schauspielerin Florence Kasumba. Soweit, so schlecht. Doch der Shitstorm will den Rechten am Sonntagabend nicht wirklich gelingen. Sie bleiben unter sich.

Auch viele Linke kritisieren den Tatort. Die »Junge Bewegung« und die rechte Juristin kämen zu oft zu Wort, ihre Aussagen würden nicht richtig eingeordnet und dekonstruiert. Im Prinzip sei dieser Tatort Werbung für die Identitären gewesen. Auch hier möchte man sagen: Ein Fernsehkrimi ist ein Fernsehkrimi und eben kein Seminar über die extreme Rechte. Wobei eine der zahlreichen guten Dokumentationen über die Neue Rechte den Fernsehabend sicherlich besser abgerundet hätte, als ein fürchterlicher Corona-Talk bei Anne Will.

Der Tatort »National feminin« hat es geschafft, die Neue Rechte so darzustellen, wie sie ist. Die »Junge Bewegung« war eben so parolenhaft polterig, wie es ihr reales Vorbild ist. Und die rechte Juristin Sophie Behrens zeigte im Gespräch mit Kommissarin Charlotte Lindholm, warum man eben nicht mit Rechten reden kann. Sie haben, egal ob im Fernsehen oder der Realität, eben kein Interesse an einem Dialog. Einzig der Wandel von Mordopfer Marie, die einfach mal einen netten Linken kennenlernen musste, um bekehrt zu werden, ließ zu wünschen übrig. Nein, so dumm sind Frauen in der extremen Rechten nicht. Ein bisschen diskutieren und knutschen ist kein Erfolgsrezept gegen Nazis und Identitäre.

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