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Klassenziel sichere Schule

Kultusminister beraten, wie eine Rückkehr zum Unterricht mit den Hygieneregeln einhergeht

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Chaos war perfekt, als der hessische Verwaltungsgerichtshof Ende vergangener Woche entschied, die Schulpflicht für die vierten Klassen weiter außer Kraft zu setzen. Eine Schülerin aus Frankfurt am Main hatte gegen eine Landesverordnung zur Eindämmung der Corona-Epidemie geklagt, und die obersten Verwaltungsrichter des Landes in Kassel gaben ihrem Eilantrag statt.

Bei einem Schulbesuch würden die Viertklässler im Vergleich zu anderen Schülern, denen aus Gründen des Infektionsschutzes der Schulbesuch untersagt werde, ohne hinreichenden Grund ungleich behandelt - und damit in ihrem Grundrecht verletzt, erklärte das Gericht. Dieses unanfechtbare Urteil saß. Es zeigte auf, wie schwer es ist, die zurzeit erforderlichen hygienischen Standards in den Einrichtungen zu garantieren.

»Wann beziehungsweise in welchen Schritten nun die Wiederaufnahme des Schulbetriebs in der Grundschule und in weiteren Jahrgangsstufen stattfindet, werden wir auf Basis der nächsten Gespräche zwischen den Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin entscheiden«, erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die nächste Bund-Länder-Schalte findet am Mittwoch statt. Bis dahin soll die Kultusministerkonferenz ein Konzept vorlegen, wie ein Schulbetrieb für so viele Schüler wie möglich stattfinden kann. Momentan sind es lediglich die Abschlussklassen, die in einigen Ländern seit einer Woche wieder regulären Unterricht haben. Eigentlich sollen die Schulen in der kommenden Woche wieder öffnen. Diesen Termin haben Bund und Länder in Erwägung gezogen. Ob er jedoch eingehalten werden kann, ist ungewiss.

Inzwischen haben alle Bundesländer Hygienepläne entwickelt, die sich einander ähneln: Auf den Schulfluren gibt es markierte Wegführungen und »Einbahnstraßen«, die Klassen werden geteilt, Pausen und Unterricht werden gestaffelt und zeitversetzt. Im Klassenraum stehen die Tische weiter auseinander, und an den Toiletten gibt es Einlasskontrollen, um Gedränge zu vermeiden. Ferner wurden die Putzvorgaben für Türklinken, Treppengeländer, Lichtschalter und Computertastaturen verschärft. Das Tragen von Schutzmasken wird auf den Fluren und in den Pausen empfohlen, ist jedoch keine Pflicht. Im Schulbus und in öffentlichen Verkehrsmitteln muss die Maske aber aufgesetzt werden.

Die Zweifel, ob diese umfangreichen Pläne so umgesetzt werden können, sind groß. Bildungsverbände appellierten am Montag, dass »Sicherheit und Sorgfalt vor Schnelligkeit« gehen müssten. »Der Gesundheits- und Infektionsschutz der Lehrenden und der Lernenden muss im Zentrum aller Entscheidungen stehen, wenn die Schulen wieder schrittweise öffnen«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) sowie des Bundeselternrats. Es dürfe in der Coronakrise keinen Wettbewerb geben, wer am schnellsten wieder Präsenzunterricht ermögliche. Für die Verbände ist klar: Wenn die Hygienebedingungen nicht ausreichten, dürften die Schulen nicht öffnen, die Abschlussprüfungen sollten nicht »auf Teufel komm raus« durchgezogen werden.

Mit voll besetzten Schulen bis zu den Sommerferien ist angesichts der notwendigen Abstandsregeln nicht mehr zu rechnen. Um aber möglichst vielen Klassen und Schülern den Unterricht zu ermöglichen, werden derzeit verschiedene »Schichtmodelle« diskutiert. Der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, schlägt vor, die Klassen zu teilen. Die Schüler kommen abwechselnd für je eine Woche in die Schule, erhalten in der anderen Woche Aufgaben für zu Hause. So könnten noch alle Schüler vor den Sommerferien wieder in die Schulen zurück. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) schlug dagegen einen dreitägigen Wechsel vor und würde dafür den Sonnabend als Unterrichtstag einbeziehen wollen.

Vielen Eltern, die ihre Kinder zu Hause beim Lernen unterstützen, dürften diese Modelle recht sein. Fast drei Viertel von ihnen gaben in einer Umfrage der Vodafone-Stiftung an, den derzeitigen Zustand des Homeschoolings nicht mehr lange aufrechterhalten zu wollen. Auch sie wünschen sich eine baldige Rückkehr zur Normalität.

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