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Schwitzen mit Abstand

Sportvereine in Deutschland könnten bald wieder ihre Türen öffnen, allerdings nur unter besonderen Bedingungen

Es geht nicht nur um Fußball. Oder um die Bundesliga. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierenden der Bundesländer an diesem Donnerstag über Lockerungen in der Coronakrise verhandeln, werden auch viele Breitensportler gespannt auf die Ergebnisse warten. Dabei dürfte die Mehrzahl nicht interessieren, wann es die ersten Geisterspiele der Profis gibt, sondern eher, wann sie selbst wieder mit Freunden aus dem Verein trainieren dürfen. Auch das wird eventuell bereits an diesem Donnerstag beschlossen.

Der Deutsche Olympische Sportbund hatte schon vor Wochen zehn sogenannte Leitplanken erarbeitet, mit denen laut DOSB ein schrittweiser Wiedereinstieg ins Vereinsleben möglich sei. Anfang dieser Woche tauschten sich dann die Sportminister der Länder aus und überarbeiteten mit dem DOSB die Regeln. Merkel und Co. sollen diese nun absegnen.

Die Vorgaben (siehe Kasten) umfassen Distanzregeln von mindestens zwei Metern zwischen den Sporttreibenden, ein Kontaktverbot sowie das Gebot, zumindest in der ersten Phase alle Aktivitäten ins Freie zu verlegen; also auch Handballer oder Volleyballer sollen sich eher in kleinen Gruppen beim Waldlauf fit halten als am Ball oder am Netz. Natürlich sollen sich alle möglichst oft die Hände waschen. Duschen und alle anderen Gemeinschaftsräume in den Vereinshäusern bleiben zunächst geschlossen. Die Bewegung steht im Vordergrund, nicht das Messen in Wettkämpfen, die bis auf Weiteres untersagt bleiben.

«Wir begrüßen die Ergebnisse der Sportministerkonferenz, in der sich alle einstimmig für eine schrittweise Wiederaufnahme des vereinsbasierten Sportbetriebs ausgesprochen haben», freute sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Mittwoch. Auch Bundesinnen- und Sportminister Horst Seehofer habe den Plan bereits begrüßt. Nun hofft der DOSB, dass er am Donnerstag in der großen Runde ebenfalls Zustimmung erhält und die Vereine wieder ihre Türen öffnen können.

Sollte es so kommen, ist allerdings nicht damit zu rechnen, das die Maßnahmen überall sofort umgesetzt werden. «Wir spüren noch keinen großen Druck unserer Mitglieder. Natürlich wünschen sie sich, dass die Kinder mal wieder Fußball spielen können, aber es herrscht eine verantwortungsvolle Ruhe», sagte Adam Bednarsky, Gründungsmitglied und Geschäftsführer von Roter Stern Leipzig. «Die Leute haben Wichtigeres im Kopf.» Der links-alternative Verein, bekannt durch seine Fußballabteilung, hat mittlerweile gut 1500 Mitglieder, verteilt auf 17 verschiedene Sportarten, doch die meisten von ihnen sind wie alle anderen eher damit beschäftigt, Arbeit und Homeschooling unter einen Hut zu bekommen, als mit ihrem nächsten Trainingsplan.

Ohnehin sei die Debatte um die Öffnung des Vereinssports nicht von der in anderen Bereichen zu trennen, sagte Bednarsky dem «nd»: «Jetzt werden Schulen und Kitas wieder geöffnet. Da kann man den Sportvereinen kaum sagen, dass sie noch zubleiben müssen. Aber ob das alles klug ist, weiß ich nicht. Wir sind alle keine Virologen und befinden uns im Tal der Ahnungslosen.» Mit dem Einhalten von Abstands- und Hygieneregeln dürften schon die Bildungseinrichtungen ihre Probleme haben. Ehrenamtlichen Trainern sei die Kontrolle darüber noch viel weniger zuzumuten.

Dennoch versucht der DOSB alles, um das System wieder anlaufen zu lassen. Denn manch andere Vereine drängen schon seit Wochen, vor allem solche, die auch abseits von Mitgliedsbeiträgen oder öffentlichen Förderungen Geld verdienen müssen. Golfplätze haben an vielen Orten schon wieder geöffnet, auch wenn die Spielgruppen halbiert werden, die Restaurants geschlossen und die Fahnen dauerhaft in den Löchern stecken bleiben müssen, um Ansteckungen zu vermeiden. Tennisvereine wollen ebenfalls schnellstmöglich ihre Plätze öffnen, denn auch hier wird an Gastspielern gut verdient.

Jeder Spitzensportverband war vom DOSB aufgerufen worden, die vorgegebenen Leitplanken «anzupassen und gegebenenfalls auszuweiten», berichtete Sprecher Michael Schirp. «Denn der Teufel steckt auch hier im Detail.» Und so ist einiges Ungewöhnliches in den Übergangsregeln der Einzelverbände auf der DOSB-Homepage zu lesen. Eiskunstläufer dürfen zum Beispiel nur «individuelle Trainingsübungen» durchführen. Es gibt also weiterhin noch kein Eistanzen oder Paarlaufen. Man fragt sich zudem, was Eishockey noch vom Eisschnelllauf unterscheidet, wenn «keine Zweikämpfe abgehalten werden» dürfen. Und beim Volleyball gilt ein Mindestabstand «von ein bis zwei Metern zum Netz. So wird der Block noch schwerer. Übrigens sollen »viel schwitzende Menschen noch mehr Abstand halten«. Diese Regel sollte vielleicht auch nach Corona beibehalten werden.

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