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Corona kratzt kaum an Mieteinnahmen

Wohnungswirtschaft berichtet über maximal ein Prozent Mietausfälle

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.

Die finanziellen Auswirkungen der Coronakrise auf die Großvermieter muss man derzeit mit der Lupe suchen. »Bei uns sind bisher 170 Mietstundungsanträge bei einem Gesamtbestand von 76 000 Wohnungen eingegangen«, berichtet Sven-Christian Frank, Vorstandsmitglied von Adler Real Estate, zu deren Bestand auch die rund 16 000 Berliner Wohnungen von Ado gehören. Es betrifft also 0,6 Prozent der Wohneinheiten.

Erste Erhebungen des weltweit größten Immobiliendienstleisters CBRE im April haben bei verschiedenen Unternehmen in Zusammenhang mit Corona in der Region Mietausfallquoten von 0,3 bis 0,7 Prozent ergeben, berichtet Michael Schlatterer von CBRE am Mittwoch bei der Vorstellung des Berliner Immobilienmarktberichts der Bank Berlin Hyp. »Vonovia geht von einem Prozent Mietausfall im April und Mai aus«, so Schlatterer weiter. Und selbst dieser größte Vermieter der Republik, der knapp 40 000 Wohnungen in der Hauptstadt hält, muss das Geld noch nicht verloren geben. Denn bisher sind die Mieten nur gestundet.

Auch Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, berichtet von bisher nur wenigen Beratungsanfragen wegen der im April fällig gewesenen Mieten. »Auch da bin ich froh, dass es den Mietendeckel gibt«, so Wild. Denn Mietsteigerungen in dieser Situation wäre das letzte, was die Menschen brauchen könnten.

Der Wohnimmobilienmarkt wird für Investoren durch die Coronakrise tendenziell sogar attraktiver, erwartet Michael Schlatterer. Durch die staatlichen Transferleistungen seien Mieteinnahmen dort relativ sicher, im Gegensatz zu Hotels oder Gewerbeimmobilien. Gerade der deutsche Immobilienmarkt werde davon profitieren und möglicherweise werde der Zuzug aus anderen Ländern Europas dadurch noch steigen, erwartet Gero Bergmann, Vorstandsmitglied der Berlin Hyp. »Es wird sich nicht alles nur an Heimarbeitsplätzen orientieren«, glaubt er mit Blick in die weitere Zukunft. »Ist Nachverdichtung noch ein Gebot der Stunde nach Corona? Muss sich die Immobilienwirtschaft nicht auf mehr Fläche, Abstand einrichten?«, fragt er.

Mietervertreter Wild glaubt auch, dass der Wohnimmobilienmarkt recht gut durch die Krise kommen wird. »Themen wie eine Hauszinssteuer werden danach wieder auf die Agenda kommen«, ist er überzeugt. Die auch als Gebäudeentschuldungssteuer bezeichnete Abgabe war 1924 in der Weimarer Republik eingeführt worden. Ein großer Teil der Einnahmen wurde in die Schaffung öffentlichen Wohnraums investiert.

»Ich bin kein Freund neuer Steuern«, entgegnet Banker Bergmann. Auch wenn in der Branche in den letzten Jahren sehr viel verdient worden sei.

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