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Attacke, wo sie hingehört

Gregor Gysi über seine Wahl zum außenpolitischen Sprecher der Linken im Bundestag

  • Lesedauer: 3 Min.

Glückwunsch, Herr Gysi, zum neuen politischen Karrieresprung!
Dankeschön, aber Karriere ist nicht das richtige Wort und über diese denkt man in meinem Alter weniger und anders nach. Aber es ist endlich wieder eine klare Aufgabe für mich im Bundestag.

Hat Ihnen der Geschmack der Freiheit nicht gemundet? Ist es ohne politische Verantwortung zu fade?
Nein, ich habe genug zu tun als Politiker, Rechtsanwalt, Autor und Moderator. Nach der überraschenden Ankündigung von Stefan Liebich ist die Fraktionsführung auf mich zugekommen, ob ich in der Außenpolitik für die Fraktion sprechen will. Ich habe eine ganze Zeit überlegt und dann zugesagt. Ich gebe aber gern zu, dass mich diese Aufgabe im Bundestag auch reizt.

Stefan Liebichs Rückzug war dann wohl eine willkommene Gelegenheit. Andererseits ist Liebich seit Jahren eine feste Größe in der Außenpolitik der Linken, über die Grenzen seiner Fraktion hinaus respektiert. Große Schuhe, in die Sie da schlüpfen …
Sie haben recht, in der Schuhgröße kann ich mit Stefan Liebich nicht mithalten. Aber ich mache mir keine Sorgen. Der eine oder andere kennt mich ja noch. Und ich leide bekanntlich nicht an einem übertriebenen Mangel an Selbstbewusstsein.

Außenpolitik ist ein Feld voller Wespennester. Was ist Ihre Strategie: Attacke oder umschiffen?
Attacke, wo sie hingehört. Die Koalition bietet dafür genug Angriffsflächen. Aber mitunter kann man auf diplomatischem Wege mehr erreichen.

Liebich hat sich dabei bemüht, in Krisengebieten gleiche Maßstäbe an Freund und Feind anzulegen. Ist das auch Ihr Motto?
Politische und völkerrechtliche Maßstäbe müssen für alle und alles gelten, sonst wird es beliebig. Die Verwendung von Argumenten, wie es gerade passt, kennen wir zur Genüge von der Bundesregierung. Da muss die Linke nicht auch noch mitmachen.

Russland, Nahost, die USA-Politik in Zeiten einer Entgrenzung des Völkerrechts. Sehen Sie in der EU hier eine Lösung des Problems?
So, wie die EU derzeit verfasst ist und sich verhält, ist sie eher Teil des Problems. Europa muss endlich lernen, seine Interessen auch unabhängig von den USA zu definieren und entsprechend zu handeln.

Die europäische Linke, der Sie bis vor Kurzem vorstanden, hat in der Zeit auch nicht gerade von sich reden gemacht, was eine gemeinsame Linie angeht.
Das stimmt nur zum Teil. Unsere Akzeptanz wurde erhöht. Außerdem sind wir uns in der Europäischen Linken in der Mehrzahl der Fragen einig, was ich bei der EU nun gerade nicht sehe.

Als Fraktionsvorsitzender haben Sie die Auflösung der Nato gefordert. Was ist Ihre erste Baustelle in der neuen Funktion?
Die Diskussion über einen Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland und das Ende der so genannten nuklearen Teilhabe Deutschlands, wozu ich meine erste Rede als außenpolitischer Sprecher halte, ist doch ein spannender Anfang.

Die Legislatur geht ja nicht mehr allzu lang, wenig für eigene Spuren in der internationalen Politik. Ist dies eine Ansage schon für die kommende Wahlperiode?
Darüber denke ich mit Ihnen gemeinsam später nach.

Interview: Uwe Kalbe

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