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Schwerer Schlag für die Union

SPD-Strippenzieher Johannes Kahrs tritt ab

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.

Wie dumm, dass die Korvetten der Deutschen Marine ausschließlich nach deutschen Großstädten benannt werden. Sonst könnte man jetzt ein Schiff aus dem zweiten K-130-Los »Johannes Kahrs« taufen. Verdient hätte es der bisherige SPD-Haushälter. Ohne ihn und das Zusammenspiel mit CDU-Kollegen Eckhardt Rehberg wäre der Deal nicht so geräuschlos gelaufen. Dabei ist Kahrs nicht einmal Marinefan, sondern Oberst der Reserve bei den Panzergrenadieren.

Seit 22 Jahren war der Sohn eines Rechtsanwalts und Bremer Justizsenators - direkt gewählt - im Bundestag, seit 40 Jahren in der SPD. In der hat er als Sprecher des rechten Seeheimer Kreises und gestützt auf seinen Heimatbezirk Hamburg-Mitte beachtliche Macht angesammelt. Schon bevor es Twitter & Co. gab, tat sich der heute 56-Jährige als Netzwerker hervor, zog Strippen, schuf Abhängigkeiten. Er agierte dabei selten fein, dafür aber höchst widersprüchlich. Oft war nicht erkennbar, ob er noch SPD- oder schon rechte Positionen der Union vertrat. Angela Merkel warf er vor, sie habe mit ihrer Einwanderungspolitik die AfD groß gemacht. Umso energischer stritt er selbst gegen die Rechtsaußenpartei. Mit einer Wutrede trieb Kahrs 2018 die AfD-Fraktion aus dem Bundestagsplenarsaal.

Drei Jahre zuvor hatte Kahrs als bekennender Burschenschaftler des evangelischen Wingolfsbundes kein Problem damit, vor Erznationalen aufzutreten. Er sprach über die Grenzen von Zuwanderung und huldigte mit Otto von Bismarck ausgerechnet jenem Kanzler, der die junge und damals noch linke Sozialdemokratie per Sozialistengesetz verfolgte. Dass Kahrs nicht selten elitäre wirtschaftspolitische Positionen verfolgte, war ebenso normal wie sein Beitrag zur Gleichheit von Menschen, wenn es um Schwule und Lesben ging. Als Merkel zwar gleiche Eherechte für alle guthieß, selbst aber 2017 dagegen stimmte, dass Schwule und Lesben heiraten dürfen, kommentierte Kahrs sarkastisch: »Danke für Nichts.«

Kahrs war ein ambitionierter Kulturpolitiker, verstand sich offenbar gut mit der zuständigen Staatsministerin Monika Grütters. Zugleich ist er jedoch nicht nur einmal intensiver Frauenfeindlichkeit bezichtigt worden. Wahre Triumphe feierte das »System Kahrs« aber, wenn er Rüstungsprojekte aller Art voranbrachte. Vor allem in seiner Funktion als Sprecher der SPD im Bundestag-Haushaltsausschuss war er der beste Mann von CDU und CSU.

Dass Kahrs nun - weil ihm die eigene Partei nicht den bereits zugesagten Posten des Wehrbeauftragten zukommen lässt - sein Bundestagsmandat und alle politischen Ämter niederlegte, ist ein herber Schlag für die Koalitionspartner. Die AfD und andere »Patrioten« jubeln und behaupten, der Rücktritt hänge mit dem erhobenen Vorwurf zusammen, Kahrs hätte sich seine Arbeit zum juristischen Staatsexamen von einem Strohmann schreiben lassen.

Man darf gewiss sein, dass Kahrs - wie Burkhardt Lischka, der nur Wochen vor Kahrs aus der SPD-Fraktion ausstieg, meint - »mit Herzblut neue Aufgaben beackern« wird. Dass sich die zuhauf in der Lobbyarbeit anbieten, dürfte klar sein. Kommentar Seite 8

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