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»Merci, Spasibo und Thank you«

Dank an die Befreier vom Faschismus bei Gedenkfeier im brandenburgischen Landtag

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Eigentlich sollte das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt am 15. Mai auf den Seelower Höhen die Leningrader Sinfonie spielen - als Beitrag zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Doch wegen der Coronakrise wurde das Konzert abgesagt. Brandenburgs Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) hofft, es dass es nachgeholt werden kann. Einstweilen spielte Pianist Christian Seibert am Donnerstag bei einer Gedenkfeier im Potsdamer Landtag.

Dimitri Schostakowitsch hatte drei der vier Sätze seiner 7. Sinfonie, der Leningrader, bis Oktober 1941 in seiner von der faschistischen Wehrmacht bedrängten Heimatstadt komponiert. Er hatte sich vergeblich bemüht, zur Roten Armee eingezogen zu werden, um die Sowjetunion gegen die Angreifer zu verteidigen. »Was ist der 8. Mai?«, fragte die Abgeordnete Isabelle Vandré (Linke) am Donnerstag im Landtag. »Was ist dieser Tag, wenn nicht ein Tag der Befreiung?« Es sei jedoch 1945 keine Selbstbefreiung der Deutschen gewesen. Darum dankte Vandré auf Französisch, Russisch und Englisch den Soldaten der Anti-Hitler-Koalition: »Merci, Spasibo und Thank you!«

Vandré zeigte sich schockiert, dass Kulturministerin Manja Schüle (SPD) nicht mit einer Auflistung der zivilgesellschaftlichen Initiativen dienen kann, die sich in Brandenburg für Gedenkorte wie das ehemalige KZ-Außenlager Schlieben-Berga engagieren. Die Linke-Politikerin beantragte, dass sich das Land besser kümmern soll. Mit Verweis auf erhebliche finanzielle Folgen lehnte die rot-schwarz-grüne Koalition ebenso wie die AfD den Antrag jedoch ab. Die Freien Wähler enthielten sich.

In der Debatte um Gedenkorte, die sich an die 30-minütige Gedenkfeier anschloss, ging Isabelle Vandré auch auf die Äußerungen des ehemaligen AfD-Landtags- und jetzigen -Bundestagsfraktionschefs Alexander Gauland ein. Gauland hatte sich dagegen ausgesprochen, den 8. Mai dauerhaft zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Für die KZ-Insassen sei es »ein Tag der Befreiung gewesen«, aber es sei auch »ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit« gewesen.

Ein Tag des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit sei es »nur für die, die dem 1000-jährigen Reich nachtrauern«, meint Vandré. Kulturministerin Manja Schüle (SPD) wird noch deutlicher: Wer so etwas sage wie Gauland, »der ist dumm oder ein Nazi oder beides«. Die CDU-Abgeordnete Barbara Richstein sprach von »Kriegsende«, von »Zäsur«, auch von »Befreiung« für viele, während es für andere »ein Tag der Angst vor der Zukunft« gewesen sei. Sie schimpfte über Gauland, der die zwölf Jahre Nazidiktatur mal als »Vogelschiss« bezeichnet hatte, und zitierte Richard von Weizsäcker (CDU), der als Bundespräsident am 8. Mai 1985 in einer vielbeachteten Rede vom »Tag der Befreiung« gesprochen hatte - wie es bis dahin offiziell nur in der DDR üblich war, nicht aber in der Bundesrepublik.

Auch der AfD-Abgeordnete Christoph Berndt zitierte aus der Ansprache von Weizsäckers - den Anfang, der ihm ins Konzept passt. Seinem Schicksal gemäß habe jedes Volk seine eigenen Gefühle, hatte von Weizsäcker gesagt. »Sieg oder Niederlage, Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft oder Übergang zu neuer Abhängigkeit ...« Grünen-Fraktionschefin Petra Budke, die an einer Halskette einen kleinen Davidstern trug, hat ihre Gründe, Richard von Weizsäckers Befreiungsbegrifflichkeiten nicht unkritisch zu übernehmen: Von der Verantwortung für die Geschichte könne man nicht befreit werden.

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