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US-Regierung beordert Ölkonzern aus Venezuela zurück

Ausnahmegenehmigung für Chevron wird nicht verlängert. Das lateinamerikanische Land strukturiert nun den Sektor um

  • Von Andreas Knobloch
  • Lesedauer: 3 Min.

Der US-Energiekonzern Chevron muss Venezuela verlassen. Die US-Regierung forderte den Ölriesen auf, seine Aktivitäten in dem südamerikanischen Land bis 1. Dezember »herunterzuschrauben«. Ein weiterer Schlag für die Ölindustrie Venezuelas und die Regierung von Nicolás Maduro, die mit Covid-19, Produktionsrückgang und Ölpreisverfall zu kämpfen hat.

Bisher hatte Chevron in Venezuela mit Genehmigung des US-Finanzministeriums operiert. Das Amt zur Kontrolle ausländischer Vermögenswerte musste die Ausnahmeregelung alle drei Monate erneuern. Dadurch konnte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem venezolanischen Staatskonzern PdVSA Rohöl fördern und mit diesem auf internationalen Märkten handeln. Washington lehnte Ende April eine erneute Verlängerung der Lizenz jedoch ab und kündigte strenge Einschränkungen der Aktivitäten von Chevron an. Von nun an ist es dem US-Unternehmen untersagt, venezolanisches Öl zu bohren, zu verkaufen und zu transportieren. Einzig die Durchführung einiger Finanztransaktionen mit PdVSA bleiben erlaubt, um die bis zur Schließung notwendigen Wartungsarbeiten durchführen zu können. Die US-Ölfelddienstleister Halliburton, Schlumberger, Baker Hughes und Weatherford müssen ihre Arbeit in Venezuela ebenfalls einstellen.

Die Produktion von Chevron in Venezuela betrug im vergangenen Jahr durchschnittlich 35 300 Barrel (à 159 Liter) pro Tag. Das entsprach ungefähr sechs Prozent der Gesamtproduktion des Landes. In diesem Jahr dürften die Zahlen noch zurückgegangen sein, denn Venezuelas Ölsektor leidet unter immer schärferen US-Sanktionen. Vom globalen Finanzsystem ausgeschlossen, war PdVSA gezwungen, den Ölexport an ausländische Partner abzugeben, darunter eben Chevron. Seit April 2019 ging Washington dazu über, ausländische Unternehmen, die mit Venezuela zusammenarbeiten, zu bestrafen. Vor wenigen Wochen gab der russische Konzern Rosneft seinen Rückzug aus dem Land bekannt - eine russische Staatsholding springt nun ein.

Zuletzt erhöhte die Trump-Regierung den Druck auf Caracas weiter. Die Bundesstaatsanwaltschaft klagte Präsident Maduro als Drogenhändler an und setzte ein Kopfgeld in Höhe von 15 Millionen US-Dollar auf ihn aus. US-Kriegsschiffe und Flugzeuge haben praktisch eine Seeblockade gegen Venezuela verhängt, um »illegale Drogentransporte« über die Karibik in Richtung USA abzufangen. Der Schritt dürfte sich aber vornehmlich gegen Öllieferungen nach Kuba und in andere Länder richten.

Chevron ist als letzter großer US-Ölkonzern noch in Venezuela aktiv. Die Geschäftsbeziehungen reichen zurück bis ins Jahr 1920, als hier die ersten Bohrungen begannen. In der Amtszeit von Hugo Chávez akzeptierte Chevron anders als ExxonMobil und ConocoPhillips die neuen Bedingungen, nur noch als Minderheitspartner in Joint Ventures mit PdVSA operieren zu können. Der in Kalifornien ansässige Konzern betreibt heute zusammen mit Venezuelas Staatskonzern vier Öl- und Gasprojekte. Dazu gehören zwei der größten Felder des Landes: Petrobos-cán im westlichen Bundesstaat Zulia und Petropiar im Orinoco-Gürtel. Chevron argumentierte gegenüber der US-Regierung, dass ein Rückzug aus Venezuela mehr Marktanteile und Einfluss für russische und chinesische Unternehmen bedeuten werde, was den langfristigen strategischen Interessen Washingtons in dem OPEC-Mitgliedsstaat schade.

Wenige Tage nach der Chevron-Entscheidung des US-Finanzministeriums kam es in Caracas zu einer Kabinettsumbildung. Der bisherige Vizepräsident Tareck El Aissami wurde zum neuen Erdölminister ernannt. Er soll sich um die »Umstrukturierung und Reorganisation« des Sektors kümmern, der nicht nur unter den US-Sanktionen, sondern auch unter jahrelanger Misswirtschaft und Korruption leidet. El Aissami gilt als Verfechter einer Liberalisierung der Wirtschaft. Seine Ernennung wird von Beobachtern daher als Schritt interpretiert, die am Boden liegende Ölindustrie auch für private ausländische Konzerne zu öffnen und somit die jahrzehntelange rigide Kontrolle über diesen Schlüsselsektor aufzuweichen.

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