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Guaidós gescheiterte Söldner

Vertrag über Invasion im Auftrag des venezolanischen Oppositionsführers offengelegt / Weitere Verhaftungen

  • Von Tobias Lambert
  • Lesedauer: 4 Min.

Es geht Schlag auf Schlag. Am Sonntag meldete die venezolanische Regierung die Festnahme elf weiterer Personen, die mutmaßlich direkt mit der sogenannten Operation Gideon (Operación Gedeón) in Zusammenhang stehen. »Wir werden sie alle fassen«, erklärte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro bereits am Samstag. Am 3. und 4. Mai hatten Sicherheitskräfte zwei Versuche vereitelt, Söldner an Land zu bringen. Insgesamt befinden sich aufgrund der gescheiterten Aktion nun 45 Personen in Haft, darunter vor allem desertierte venezolanische Soldaten, aber auch die beiden US-Amerikaner Luke Denman und Airan Berry. Acht weitere mutmaßliche Söldner waren am 3. Mai getötet worden.

Als Drahtzieher hinter dem gescheiterten Umsturzversuch sieht Maduro die Regierungen Kolumbiens und der USA. Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó sprach hingegen zunächst von einer Inszenierung der Regierung Maduro und behauptete später, diese habe die Operation Gideon infiltriert, um die Söldner zu massakrieren.

Durch Informationen, die mehrere der involvierten Akteure mittlerweile öffentlich gemacht haben, ist einiges über die Operation Gideon bekannt. Die konkrete Planung oblag offenbar Jordan Goudreau, seines Zeichens Inhaber des US-amerikanischen Sicherheitsunternehmens Silvercorps. Ebenso wie die von ihm angeheuerten Söldner Denman und Berry ist Goudreau ein ehemaliger US-Soldat der als »Green Berets« bekannten Spezialeinheit der US Army. Im Februar vergangenen Jahres hatte er an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze Kontakte mit desertierten Soldaten und dem Guaidó-Lager geknüpft.

Bereits am 3. Mai wandte sich Goudreau an die Medien und behauptete, der venezolanische Oppositionsführer Guaidó habe die Invasion in Auftrag gegeben, am Ende jedoch nicht gezahlt. Als Beweis präsentierte Goudreau einen achtseitigen Vertrag, den Guaidó mutmaßlich als »Präsident Venezuelas« unterschrieben hat. Als weitere Unterzeichner fungieren mit Sergio Vergara und Juan José (JJ) Rendón zwei Berater des venezolanischen Oppositionsführers. In einem Anhang von 41 Seiten, den die »Washington Post« veröffentlichte, sind zahlreiche Details geregelt. Goudreaus Unternehmen Silvercorps werden darin lukrative Folgeaufträge in Venezuela in Aussicht gestellt, sofern der Sturz Maduros gelänge.

Guaidós »strategischer Berater« JJ Rendón bestätigte gegenüber dem US-Fernsehsender CNN am Donnerstag, dass der veröffentlichte Vertrag echt sei und er selbst ihn tatsächlich unterschrieben habe. In Lateinamerika ist Rendón vor allem dafür bekannt, zahlreiche Wahlkämpfe rechter Politiker geleitet zu haben. Allerdings habe es sich nur um einen »Vorvertrag« gehandelt, Guaidó habe ihn gar nicht unterzeichnet. Ziel sei die Festnahme und Auslieferung Maduros sowie anderer Regierungsmitglieder gewesen. Aus eigener Tasche habe Rendón 50 000 US-Dollar Vorschuss gezahlt, an der Finanzierung sei keine Regierung beteiligt. Bereits im November sei allerdings der Kontakt zu Goudreau abgebrochen.

Die Aussagen Rendóns decken sich zum Teil mit Video-Geständnissen der US-amerikanischen Söldner Luke Denman und Airan Berry, die die venezolanische Regierung veröffentlichte. Das Ziel bestand demnach darin, die Zentralen der Geheimdienste, den Präsidentenpalast und den Flughafen einzunehmen und Maduro in die USA zu bringen. Geständnisse, bei denen Feinde als Propaganda-Trophäe präsentiert werden, sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten und könnten unter Zwang entstanden sein.

Die Regierungen Kolumbiens sowie der USA wiesen die Verantwortung für die gescheiterte Einschleusung der Söldner zurück. US-Präsident Donald Trump beteuerte, keinerlei Kenntnis davon gehabt zu haben. Sein Außenminister Mike Pompeo sprach etwas ungenauer von »keiner direkten Beteiligung« der US-Regierung. Unstrittig ist allerdings, dass sich die Ziele der Söldneroperation mit jenen der US-Regierung decken und diese offen Anreize für derartige Aktionen gibt. Ende März hatten die USA inmitten der Coronakrise ein Kopfgeld von 15 Millione US-Dollar auf Nicolás Maduro sowie jeweils zehn Millionen auf weitere Regierungsfunktionäre ausgesetzt - wegen vermeintlichen Drogenhandels. Außerdem bauen die USA seit Anfang April eine militärische Drohkulisse auf, indem sie unter dem Deckmantel der Drogenbekämpfung zusätzliche Kriegsschiffe und Überwachungsflugzeuge vor Venezuelas Küste schickten. Das hohe Kopfgeld könnte durchaus erklären, warum Jordan Goudreau trotz ausgebliebener Bezahlung die Operation Gideon weiter vorangetrieben hat.

Eine längere Analyse des Autors wird online auf dem »Debattenblog« der Interventionistischen Linke erscheinen: https://blog.interventionistische- linke.org/

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