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An den Strand und in den Kinosaal

Costa Rica macht nach zwei Monaten Ausgangssperre den Weg ans Meer und in die Kulturstätten wieder frei

  • Von Knut Henkel
  • Lesedauer: 3 Min.

Costa Rica ist das erste Land Mittelamerikas, welches die Infektionsschutzmaßnahmen lockert. Der Strandbesuch ist ab dem 16. Mai genauso möglich wie der im Kino. Davon sind Länder wie El Salvador, Panama oder Honduras weit entfernt. Der zentrale Grund für die Lockerung sind sinkende Neuinfektionszahlen, ganze sieben Tote bei 801 Corona-Infizierten. Ein Erfolg, der Hintergründe hat.

Costa Ricas Gesundheitsminister Daniel Salas war auf der Pressekonferenz am Montagnachmittag vorsichtig. Er mahnte erneut zur Disziplin, ohne die seien alle Lockerungsmaßnahmen nicht vorstellbar. Distanz halten, bei etwaigen Symptomen zu Hause bleiben, das sei die goldene Regel, so der Mediziner, der selbst Epidemiologie studiert hat, sprich vom Fach ist. Doch von den Maßnahmen, die die Regierung in San José verfügt hat, können nicht nur die Nachbarländer träumen, sondern auch viele Länder Europas. So öffnet das mittelamerikanische Land ab dem 16. Mai wieder seine Strände, auch die Hotels können mit halber Auslastung wieder ihren Service anbieten und selbst der Kinobesuch mit Mindestabstand von 1,8 Metern ist erlaubt.

Vorteile in der Pandemie

Ungewöhnliche Lockerungen, die am Samstag in Kraft treten und ihren Hintergrund haben. Mit sieben Toten, derzeit 801 Infizierten und einer Zahl von zehn bis zwanzig Neuinfektionen pro Tag scheint das Coronavirus in Costa Rica weitgehend unter Kontrolle. Zumal das Land über ausreichend Kapazitäten in den Krankenhäusern verfügt, denn von den positiv Getesteten haben sich bereits 517 erholt und nur wenige sind an Covid-19 schwer erkrankt.

Die Fakten haben dazu beigetragen, dass sich die Regierung in San José zur Lockerung des Lockdowns entschied, aber auch die Tatsache, dass Costa Rica - anders als die Nachbarländer - ein flächendeckendes Gesundheitssystem mit 1043 Basiseinheiten zur Gesundheitsversorgung, Ebais genannt, aufweisen kann. Das garantiert den Zugang von über 95 Prozent der fünf Millionen Einwohner zur Gesundheitsversorgung. Zudem sind nahezu alle Costa-Ricaner*innen an das Trinkwassersystem des Landes angeschlossen. Ein immenser Vorteil in der Pandemie, den auch internationale Organisation wie die Weltgesundheitsorganisation oder das Weltwirtschaftsforum (WEF) bereits hervorgehoben haben. Ein Vorteil, den nur Chile in Lateinamerika vorweisen kann, aber keines der Nachbarländer, wo die Infektionszahlen trotz Lockdown langsam aber kontinuierlich steigen.

Maßnahmen erfolgreich

Die Basis für den Umbau des Landes zum Wohlfahrtsstaat mit starkem Gesundheits- und Bildungssystem wurde 1949 gelegt. Da fiel die Entscheidung fortan auf die Armee zu verzichten und das frei werdende Geld in Bildung, Soziales und Gesundheit zu investieren. »Unser bester Impfstoff ist disziplinierte und qualifizierte Bevölkerung und das konsolidierte Gesundheitssystem«, so der ehemalige Dekan der medizinischen Fakultät an der öffentlichen Universität San Josés, Luis Bernardo Villalobos jüngst gegenüber der Presse.

Villalobos war einer der Architekten der Neustrukturierung des Gesundheitssystems, das neben den Ebais über ein Netz von rund zwei Dutzend Kliniken verfügt. Deren Personal hält den Kontakt zu den Infizierten, Hausbesuche, aber auch WhatsApp-Kontakte sind Standard, Schutzmaterialien vorhanden. So ist es gelungen, die Verbreitung des Virus zu begrenzen. Das konzentriert sich bisher auf die großen Städte des Landes, auf die Hauptstadt San José und das benachbarte Alajuela. Ein Erfolg der Maßnahmen der Regierung, die am 16. März den nationalen Ausnahmenzustand verhängte, die Schulen und alle nicht notwendigen Einrichtungen und wenig später die Grenzen für Ausländer schloss.

Auch in der Plantagenwirtschaft des Landes, Bananen und Ananas sind wichtige Exportprodukte, ist bisher kein Infektionsfall registriert worden. Das ist allerdings auch auf Glück zurückzuführen, so Didier Leitón, Sekretär der Landarbeitergewerkschaft Sitrap: »Einige Plantagen haben zusätzliche Transportmöglichkeiten für die Arbeiter zur Verfügung gestellt, achten auf Abstand am Arbeitsplatz, aber es fehlt an einheitlichen Vorgaben«, kritisiert er. Da wünscht er sich Nachbesserungen von der Regierung - im Interesse der Arbeiter.

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